Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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kunſt. Wer dies verſteht, der iſt ein Lehrer -- wie er e8 im einzelnen 
macht, iſt verhältniSmäßig nebenſächlich, jedenfall8 auch zum weſentlichen 
Teile individuell, Es iſt auch nicht nötig, davon hinterher Rechenſchaft 
zu geben, ja man möchte faſt behaupten, der wahrhaft ideale Lehrer 
weiß hinterher ſelbſt nicht mehr genau, wa38 er geſagt hat. Aber ge- 
tragen von der -=- allerding8 die unumgängliche Vorausſezung bildenden 
--- ficheren und präſenten Herrſchaft über den Lehrſtoff und voll von 
lebendigem, wohlwollendem Verſtändnis für den jugendlichen Geiſt, der 
ja auch ſeinerſeit3 da8 Vorhandenſein dieſes Verſtändniſſes inſtinktiv 
empfindet, ſchafft er zwiſchen ſich und der Klaſſe jenen undeſinierbaren 
ſeeliſchen Rapport, der der Schlüſſel zu allen Unterricht8erfolgen iſt. 
Freilich, eine Muſterpräparation kann ein ſolcher Lehrer nicht vor- 
weiſen; er hat ſeinen in einigen Hauptgedanken gipfelnden Plan, deſſen 
Ausführung von der Aufnahme bei den Schülern abhängt, und das Beſte, 
was ein ſolcher wirklich berufener Lehrer zu bieten hat, die Friſche und 
der Zauber der Verſönlichkeit, läßt ſich in dex pädagogiſchen Zeitſchrift 
nicht wiedergeben. Daß dies aber der Hauptfaktor für die Wirkſamkeit 
de8 Lehrer8 iſt, das vergeſſen unſere modernen Normalpädagogen nur 
zu leicht. | 
Vielleicht wird die vom Verfaſſer ſoeben bekämpfte Übertreibung 
der Pädagogik von ſelbſt abnehmen, wenn unter der Wirkung einer ver- 
änderten Schul-Orgamjation, wie e8 der Verfaſſer hofft, die Zahl der 
unqualifizierten, nur aus äußeren Gründen in den Lehrerberuf eintreten- 
den Elemente fich mindert. Denn nach der oben ſc<on angedeuteten 
Meinung des Verfaſſer3 wird die Überſchäßung der bis ins einzelne 
den Unterricht regelnden Methode durch den Umſtand begünſtigt, daß 
diejelbe die perſönliche Lehrertüchtigkeit einigermaßen entbehrlich zu 
machen ſcheint. So trägt ſie die Gefahr in ſich, zum Schuß der 
pädagogiſchen Unfähigkeit zu werden; dies iſt ein Grund mehr zu ihrer 
Bekämpfung für den Verfaſſer, der, wie ſchon bemerkt, den Nuten einer 
gewiſſen Vertrautheit mit den Rejultaten und auch mit den Wandlungen 
der pädagogiſchen Wiſſenſchaft weder für den jüngeren noch für den 
älteren Lehrer beſtreiten will, und ebenſo die Feſthaltung einer gewiſſen 
auf Grund der allgemein anerkannten pädagogiſchen Prinzipien konſtruierten 
Methode in einigem Grade als berechtigt anerkennt. Unter allen Um- 
ſtänden aber kann dieſe Methode dem Lehrer nicht mehr als einen Halt 
geben, der ja naturgemäß ein feſterer und beſtimmterex iſt, wenn die 
Einfachheit des Unterricht8zieles den zu denfelben führenden Wegen eine
	        

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