Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

-- 284 -- 
Das reale Bxamen artium berechtigt zur Aufnahme in die Kriegs8- 
ſchule ohne Nachprüfung. Wollen dagegen Lateinſtudenten in die Kriegs- 
ſchule aufgenommen und zu Offizieren des ſtehenden Heeres ausgebildet 
werden, jo müſſen fie ſich einer Nachprüfung in der Mathematik, in den 
Naturwiſſenſchaften und im Zeichnen unterwerfen. (Anforderungen wie 
beim realen Examen artium.) Von den Beamten des Poſt- und Zoll- 
weſens wird keine bejondere Prüfung verlangt. 
Die Berechtigungen ſind, wie man zugeben muß, im ganzen billig 
und gerecht zugemeſſen. E8 ſchmeckt jedoch unſtreitig nach Monopol, 
wenn die Realiſten, um Medizin ſtudieren zu können, ſich der genannten, 
obwohl nicht ſchweren, Nachprüfung im Lateiniſchen zu unterziehen 
haben, da ihre Vorbildung doch für das Studium der Medizin 
eine beſſere iſt, als die Vorbildung durch die Lateinlinie«- Der Um- 
ſtand aber, daß die Kriegsichule von den Aufzunehmenden das Real- 
artium verlangt, dürfte doch einigermaßen die Vorteile aufwiegen, 
welche die Lateinſtudenten bei den akademiſchen Studien haben. Aupßer- 
vem kann der tüchtige Realſtudent ohne weiteres in eine höhere tech- 
niſche Schule übergehen. 5Für diejenigen, die ihre Schulbildung mit der 
Mittelichulprüfung abſchließen, iſt die Reallime ohne Frage die vor- 
teilhaftere. | 
Da38 Geſe, wodurch das norwegiſche Schulwejen auf dieſe Weiſe 
eingerichtet wurde, iſt jezt bald 20 Jahre alt. Aber erſt im Jahre 
1875 erſchienen die erſten Studenten nach der neueren Ordnung und das 
Jahr 1878 jah zum lezten Male Studenten nach der älteren Ordnung. 
Das neue Geſeß iſt folglich erſt ſeit etwa 10 Jahren in Wirlhjamkeit. 
Die überwiegende Anzahl derer, die fich dem Staats8dienſt zu widmen 
beabſichtigen, geht die Lateinlinie. Das hängt ſicherlich mt der Rege- 
lung des Berechtigung38weſens zujammen, aber nur zum Teil. Einmal 
iſt der Wert und die Bedeutung der Reallinie noch m<t genügjam er- 
kannt. Dann kommt aber noch folgendes hinzu. Die älteren Latein- 
ſchulen ließen ſich verhältni8mäßig leicht in die neueren höheren Schulen 
mit Latein-Gymnaſium überführen, weil die Lehrerkräfte bereit38 vor- 
handen waren. Dagegen erforderte die Errichtung eines Neal-Gymna- 
fiums neben dem, ſo zu ſagen ſchon beſtehenden Latein = Gymnaſium 
Mehrbewilligungen. Daraus erklärt ſich zur Genüge, daß man das8 
Latein-Gymnaſium durchweg vorzog. Man erinnere ſich auch noch, daß 
Norwegen nur 4 bis 5 Städte von mehr als 20,000 Einwohnern hat.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.