Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Unterricht in der Mutterſprache und im Deutſchen denſelben Bahnen 
folgen und die verwandtſchaftlichen Berührungen beider au8nüßen kann, 
Dies wird dabei in einem um ſo höheren Grade ausführbar ſein, als 
vorſchrift3mäßig der geſamte Unterricht der Sexta, abgejehen vom 
Schreib- und Zeichenunterricht, ausſ<ließlich in den Händen eines Lehrers 
ruhen, und auch in Quinta und Quarta vorwiegend (nämlich meiſt in 
der Höhe von 20 bis 24 Stunden) den Händen des Ordinarius anver- 
traut werden ſoll. 
Dieſelbe ſtarke Zuſammenſaſſung des Unterrichts in einer Richtung 
zeigt der Lehrplan der Oberklaſſen. Hier hat, auf der lateinfreien oder 
Reallinie der mathematiſche Unterricht mit 7 Stunden wöchentlich (auf 
unſeren Realgymnaſien 5 Stunden) unbedingt das Übergewicht, und die 
Naturwiſjenichaften ſtehen demjelben mit 6 Stunden wöchentlich (bei 
uns 5 Stunden) ergänzend zur Seite. Der ſprachliche Unterricht tritt 
entſchieden zurück, folgt aber inſofern gleichfalls dem Grundſaz möglichſter 
Einigung des Unterrichts, als man Deutſc< in Sekunda nur noch mit 
2 Stunden fortführt und in Prima ganz wegfallen läßt, während 
Franzöſiſch mit 4--5 Stunden deutlich in den Vordergrund tritt und das 
in den beiden Tertien mt 7 Stunden wöchentlich nachdrücklichſt be- 
triebene Engliſch in Sekunda und Prima das mittlere Maß von 3 
Stunden wöchentlich zugewieſen erhält. Die Lateinlimie, welcher der 
Unterricht der beiden Mittelkaſjen bereit3 8 Stunden wöchentlich für 
ihr Hauptfach abtritt, hat naturgemäß das Latein zum Schwerpunkt 
ihres Unterrichts und widmet ihm durchweg bis Oberprima hinauf die 
gleiche Stundenzahl (8). Im übrigen iſt dex Unterricht dieſer Linie 
aber nach verſchiedenen Seiten zerſplittert, und gewinnt nur für diejenigen, 
welche um gewiſſer ſpäterer Studien willen Griechiſch mitnehmen, die 
Einheit einer ausgeſprochen auf den Vorſtellungskreis de8 Altertums be- 
jhräntten Gedankenwelt. 
Vergleiche man nun hiermit den Lehrplan der höheren Unterrichts- 
anſtalten Preußens, ſo tritt deſſen Zerſplitterung nur um ſo ſtärker her- 
vor. Freilich, daß der Stundenplan unſerer Griechiſch-Gymnaſien, in- 
dem er von den 239 wiſjenſchaftlichen Unterrichtsſtnnden (Religion und 
Fertigkeiten abgerechnet), welche wöchentlich in den 9 Klaſſen erteilt 
werden, faſt genau die Hälfte, nämlich 117, den toten Sprachen zuweiſt 
und auch möglichſt noh Geſchichte und Geographie nach dieſer Richtung 
ausnüßt, in dem geſchloſſenen Kreis der alten d. i. toten Welt einen 
ſtark einheitlichen Kern beſit == beziehungsweiſe ſich einheitlich gegen
	        

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