Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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und bieten gleichzeitig den ſpäteren Latiniſten die Gelegenheit, fich unter 
Verzicht auf einen Teil allgemeiner Bildung, in wöchentlich 8 Latein- 
ſtunden auf ihre künftige Lateinlime vorzubereiten. Endlich 35 Anſtalten 
haben den vollen 9jährigen Kurſus und entlaſſen Abiturienten ; dabei find 
nur 3 unter dieſen durchweg, aljo ſchon von Unter-Tertia ab, einſeitige 
Anſtalten, nämlich 1 Lateinſchule zu Göteborg und je 1 Realſchule zu 
Göteborg und Sto>holm; da nun aber beide große Städte ſelbſtredend 
für jede Linie mehrere vollſtändige Schulen beſißen, jo führt die Ein- 
ſeitigkeit dieſer drei Anſtalten in keinem Falle zu einem ſchlimmeren Übel- 
ſtande, als daß vielleicht ein Vater jeinen Sohn von Unter-Tertia ab 
nicht mehr in die nächſte Schule ſchien kann, ſondern ihn einige Straßen 
weiter gehen läßt. Sämtliche andere 32 volle Anſtalten haben ihre Tertien 
mit dem mehrfach erwähnten fünſſtündigen Lateinkurſus eingerichtet, jo 
daß in keinem Falle ein Vater bei der Wahl de3 Schulortes früher durch 
den in Ausſicht genommenen Beruf desſelben -- der Lateinkenntms3 ex- 
fordern kann oder auch zeitgemäße Vorbildung in vollſtem Umfange =- 
beeinflußt wird, als derſelbe die Reife für den Eintritt nach Sekunda 
erhalten hat. Tauſende von Familien bei uns in Deutſchland wären 
glücklich, dieſe Lage teilen zu können! Und dabei führen nicht weniger 
als 24 Anſtalten beide Linien wenigſtens noch durch ganz Sekunda, indem 
nur 8 von jenen 32, darunter 2 zu Sto>holm, jhon von Anfang dieſer 
Klaſſe ab ſich einſeitig entwikeln ; 18 Anſtalten aber ſind auf beiden 
Qinien vollſtändig und entlaſſen ſowohl Latiniſten wie Realiſten mit dem 
Reifezeugnis. 
E3 iſt hiernach die ſ<hwediſche Schule zunächſt bis Ober-Tertia im 
Grunde eine Einheitsſchule, und ihre Anſtalten ſind von Sekunda ab zu- 
meiſt nach beiden Richtungen entwidelt, nur für die leßten zwei Jahre 
(Prima) beſchränken ſich 14 Anſtalten auf den Unterricht der einen Linie. 
Die das ſchwediſche Schulweſen jo vorteilhaft kennzeichnende Rich- 
tung auf das Ganze, die Behandlung der Erziehung wie der zu erziehen- 
den Volksöjugend als einer Einheit bekundet ſich noch in mehr als einer 
Beziehung, doch kann ich hier nur flüchtig auf die betreffenden Punkte 
hindeuten. 
Voranzuſtellen iſt die einheitliche, d. i. die gleichmäßige Ausbildung 
von Körper und Geiſt, welche in Schweden mehr als in irgend einem 
anderen Lande, außer England, zur Wahrheit geworden iſt. Auf Scho- 
nung von Körper wie Geiſt zielt die Beſtimmung, daß in den Unter- 
und Mittelklaſſen nie mehr als zwei, in den Oberklaſſen nie mehr als
	        

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