Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

-. 328 = 
äußerſt beträchtliche, zu einer Zeit, wo allgemein über Mangel an Be- 
ſchäftigung und Überfüllung in allen Berufszweigen geklagt wird. Be- 
ſorgt fragte daher unter anderen der Kanzler Rümelin ſchon vor einigen 
Jahren an dieſer Stelle, wo das hinaus joll, wenn die Bevölkerung 
ſelbſt ſich nicht im Zaume hält. | 
Zu bemerken iſt aber dabei ausdrüclich, daß jener Überfluß an 
Arbeitskräften nicht nur in Deutſchland zutage tritt, ſondern ebenjo in 
Ländern mit geringerer Bevölkerungszunahme, wie in Frankreich und 
ſogar auch in den Vereinigten Staaten Nordamerikas mit noch großen 
unfultivierten Landſtre>en, reichen unterirdiſchen Schäßen 2c., aljo unter 
den verſchiedenſten Verhältniſſen. Ein Zeichen des innigen Zujammen- 
hanges der verſchiedenen Kulturländer, ſo daß die Vorteile des einen 
Landes, wie ebenſo die Übelſtände in den übrigen Staaten mehr oder 
weniger mit empfunden werden. 
Führt die erwähnte Bevölkerungszunahme auch ein ſtärkeres Zu- 
ſtrömen zu allen Geſellſchaftsklaſſen und Berufskreiſen mit ſich, jo zeigt 
e38 ſich doch, daß dieſelbe beſonder8 bei uns in Deutſchland infolge des 
natürlichen, allgemeinen Aufſtreben3 der geſamten Bevölkerung von unten 
nach oben um ſo größer iſt, je höher die Bildung und geſellſchaftliche 
Stellung reicht. Die Erſcheinung wird zu Ungunſten der Gebildeten da- 
durch verſchlimmert, daß die gegenwärtige Preisreduktion in weit höherem 
Maße den unteren Klaſſen zu gute kommt als den höheren, weil die 
Bedürfniſſe der ärmeren Bevölkerung erheblich billiger geworden ſind, 
dagegen die der Gebildeten nur wenig, | 
In der neueſten Zeit iſt nun das Mißverhältnis zwiſchen Angebot 
und Nachfrage am extremſten zutage getreten und droht insbejondere 
einen noch weit ſchlimmeren Charakter in der Zukunft anzunehmen in 
den Berufszweigen, bei welchen klaſſiſche Bildung verlangt wird. 
Das Beobachtungsfeld hiefür, wo alle Vorgänge ſich am meiſten 
konzentrieren und am beſten beobachten laſſen, ſind die Univerſitäten. 
Während ſich in den 60er Jahren auf deutſchen Umwverſitäten nur rund 
13,400 Studierende aufhielten, ſtieg die Zahl in den 70er Jahren auf 
17,800, im lezten Sommerſemeſter auf 28,089. Da nun im lezten 
Winterſemeſter gegen das vorhergehende ein ganz unbedeutender Rüd- 
ſchlag eingetreten war, der jekt wieder reichlich au8geglichen iſt, biöher 
vielmehr in jedem Jahr noch eine Zunahme zu beobachten war, jo kann 
man kaum annehmen, daß der Gipfel bereit8 erreicht iſt. 
In den letzten ſünf Jahren nahm die Zahl der Studenten um
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.