Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Von den Beſuchern des Gymnaſiums wird ſtet8 ein übergroßer Teil 
der Schule treu bleiben, wird bei einigem Fleiße von Klaſſe zu Klaſſe 
jortgeſchoben und der Univerſität zugeführt, ohne einen inneren Beruf und 
beſondere Begabung dazu zu haben, und dies iſt ein weſentlicher Um- 
ſtand, der zur Überfüllung der Univerſität beiträgt. 
Die Konſequenzen des biSherigen Vorgehens ſind leicht zu verfolgen. 
Bei ſeinen ausgedehnten Anſprüchen an klaſſiſche Bildung mußte der 
Staat für allgemeine Verbreitung der Gymnaſien Sorge tragen. Die 
Anſprüche der Bevölkerung eilten aber ſtet8 noch den Leiſtungen der 
Kultu8mimiſter voraus. Jede Stadt, jede größere Gemeinde ſuchte und 
mußte ſuchen, vor allem ein Gymnaſium zu beſigen. In Sachſen hat 
man wenigſtens dafür geſorgt, daß überall neben dem Gymnaſium noch 
niedere Schulen in Konkurrenz treten, während ſie in Preußen ſehr oft 
ausſchließlich in ganzen Diſtrikten dem Bedürfniſſe nach höherem Unter-. 
richt zu genügen haben. Auf 285 Gymnaſien in Preußen kommen nur 
105 Real- und 104 höhere Bürgerichulen. In der Provinz Poſen - 
exijtieren 16 Gymnaſien und nur 4 Realichulen, m<ht eime emzige Bürger- 
jule. Dazu kommt die direkte Unterſtüzung, die man ganz allgemein 
und in überwiegendem Maße den Schülern klaſſiſcher und höherer Bil- 
dungsanſtalten zukommen läßt. 
Der Miniſter v. Mühler hat in einem Reſkript von 1870 ausge- 
ſprochen, daß einer Kommutie erſt dann das Recht eingeräumt werden 
könne, eine öffentliche höhere Lehranſtalt zu gründen, wenn für den Volk3- 
unterricht genügend und auSreichend geſorgt fei. Für ebenſo richtig und 
wichtig würde ich es halten, erſt dann und dort Gymnaſien zuzulaſſen, 
wo bereits eine höhere Bürgerſchule oder Realſchule exiſtiert. Denn es 
iſt in unjerer Zeit viel wichtiger, in die großen Mittelſchichten eine 
höhere, wohlabgerundete Bildung zu bringen, als die gelehrte Bildung 
noch mehr zu verbreiten. Dazu kommt die direkte Unterſtüzung, die 
man ganz allgemein und in überwiegendem Maße den Schülern höherer 
und beſonders klaſſiſcher Bildungsanſtalten zu gute kommen läßt, 
Es war ganz natürlich, daß im vorigen und noch im Beginne 
diejes Jahrhundert8 der Staat beſondere Aufwendungen machte, um es 
der Bevölkerung zu erleichtern, ihren Kindern eine höhere Schulbildung 
zu geben, um ſich gut vorgebildete Beamte zu ſichern. Deshalb war 
es vollſtändig richtig, den höheren Schulen bedeutendere Staat3unter- 
ſtüßung zu gewähren, als den Elementar- und ſonſtigen Bürgerſchulen. 
Heutigentages dürfte das kaum zu rechtfertigen jein. Einmal werden 
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