Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Schullitteratur ſich bald des neuen Gebietes bemächtigen werde. In 
der That iſt ſeitdem bereits eine Reihe von Schriften erſchienen, welche 
der erſten Einführung in die Elemente der Geometrie dienen ſollen, ſo 
3. B. zur Nieden3 Aufgabenſammlung, ferner Breitſprecher, der erſte 
Unterricht in der Geometrie, Diekmann, Übungen und Aufgaben f. d. 
propädeut. Unterricht in der Geometrie u. a. m. 
Zu ihnen geſellt ſich das vorſtehend genannte Schrift<en, da38 ſich 
zugleich als erſten Teil eines umfaſſenderen Schulbuchs ankündigt. Die 
Herausgabe desſelben als beſonderes Heft und die Bezeichnung „Quinta- 
kurſus" werden eine Beſprechung desſelben auch ohne Bezugnahme auf 
die noch nicht vorliegende Ergänzung rechtfertigen. 
Wir gehen hierbei von der Anſicht aus, daß die Aufgabe des ſrag- 
lichen Unterrichts in der Quinta nicht die Entlaſtung der ſpäteren Klaſſen 
von einem Teile ihres Lehrſtoffe8 durch Herabſchieben der erſten Anfangs- 
gründe der eigentlichen Planimetrie in eine frühere Klaſſe ſei, jondern 
nur eine Vorbereitung, welche den ſpäteren Schwierigkeiten de8 Ver- 
ſtändniſſes vorbeugen und daneben Auge und Hand der Schüler durch ge- 
eigneten Gebrauch von Zirkel und Lineal vorüben ſoll. In betreff einer 
näheren Ausführung, ſowie der Begründung dieſer Anſicht darf der Bericht- 
erſtatter ſich wohl auf den bezüglichen Abſchnitt ſeiner „Anleitung zum 
mathematiſchen Unterricht“ beziehen, 
Dies vorausgeſchi>t, können wir uns mit der Art und Weiſe, wie 
der Verfaſſer ſeine Aufgabe behandelt, micht durchweg einverſtanden er- 
flären. Derſelbe gibt und erläutert die erſten Grundbegriffe, die Ein- 
teilungen der Winkel, Dreie>e und Viere>e, die einfachſten Lehrſäte 
über Nebenwinkel, Scheitelwinkel, Winkel an parallelen Geraden und 
die Kongruenz der Dreiecke, nebſt den auf leßztere führenden und einigen 
vorhergehenden Fundamental-Aufgaben der Konſtruktion. Dieſe3 Gebiet 
iſt jedoch nicht in der Weiſe verarbeitet, wie e8 für die vorliegende Stufe 
wünſchen8wert erſcheint, die Anordnung iſt vielmehr dem ſyſtematiſchen 
Lehrgang jehr ähnlich; die einzelnen Wahrheiten 3. B. find zwar nicht 
mit ſtrengen Beweiſen verſehen, ſondern mehr veranſchaulicht, die Kon- 
gruenzſäße kurz als Folgerungen aus den betreffenden Konſtruktion8-Auf- 
gaben hingeſtellt 2c., allein alle8 dies tritt mehr oder minder als Ge- 
gebenes8 auf, nicht als das Reſultat einer eingehenderen Beſchäftigung 
mit einer Mannichſaltigkeit von gezeichneten und in ihren Eigenſchaften 
beobachteten Figuren. Das Wenige, wa3 den Schülern überhaupt zu 
freierer Thätigkeit im Konſtruieren geboten wird, geht zum Teil über
	        

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