Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Stoffe ſind zu bevorzugen. Vieles von dem, wa38 man jetzt wert hält, 
kann unbedenklich fallen: beſonders ſind die lateiniſchen Schriftſteller 
weniger wert als die griechiſchen. Statt der abgeleiteten Philojophie 
Ciceros wird man auf die helleniſchen Originale == Plato = zurück- 
greifen, von den Reden Ciceros wird man nur die einfachſten al8 Vor- 
bereitung auf Demoſthenes lejen. 
Die Geographie hat eine große Bedeutung für die Konzentration ; 
ſie iſt recht eigentlich eine aſſoznerende Wiſſenſchaft, die teil3 mit der 
Naturlehre, teils mit der Geſchichte verbunden werden kann. Die frem- 
den Sprachen jfollen zur Mehrung der Sprachkraft im dex Mutter- 
ſprache dienen. Das Franzöſiſche wird die naturgemäße Propädeutik 
für das unphonetiſche Engliſche bleiben, wie das Lateiniſche für die 
griechiſche Sprache. Aber die äußeren Gründe, welche früher dem Latei- 
niſchen und Franzöſiſchen das Übergewicht gaben, beſtehen nicht mehr ; 
durch die ganze Entwicklung der Dinge find wir in ein nähere3 Ver- 
hältnis zum helleniſchen und engliſchen Vok8tum getreten. Nur in 
lebenden Sprachen ſollten Übungen im Sprechen veranſtaltet werden, der 
Mutterſprache allein gehört der freie Aufjaß. Fällt der lateiniſche Auf- 
jaß und das lateiniſche Sprechen, jo kann die eigentliche Stiliſtik im 
lateiniſchen Unterricht am beſten getrieben werden, die Übertragung von 
zutem Deutſch in gute3 Lateiniſch und umgekehrt mt fruchtbarer Wechſel- 
wirkung. Von Sekunda ab könnte dann da38 Lateiniſche 2 wöchentliche 
Stunden entbehren, die dem Engliſchen zuzuweiſen wären. 
Dem Lateiniſchen würde alſo in der Einheit8ſchule vorzugsweiſe 
die Pflege des logiſchen Elements und der Stiliſtik zufallen, dem Grie- 
<ijchen die Pflege des äſthetiſchen Elements und die Einführung in Form 
und Gehalt der Litteratur, den neueren Sprachen die Pflege des prak- 
tiſchen Sinne8 und der Sprechübungen, der Mutterſprache alles in 
gleichem Maße, ihr allein aber der Auffjfaß. In dieſer Verteilung der 
Aufgaben de8 Sprachunterrichts würde ebenfalls ein Mittel der (Ent- 
laſtung liegen. Wer hierin eine Zerſplitterung ſieht, dem iſt zu exr- 
widern : eine Einheit, die man nicht hat, kann m<t verloren gehen. 
Nicht ein langer Balken == wie der lateiniſche Unterricht =, jondern 
ein wohlgeordnetes Gefüge ſchafft die Einheit. 
Für die obligatoriſche Einfügung des Zeichenunterricht3 in 
die vberen Klaſſen ſpricht, daß das unſinnliche Schauen ein ſinnliches 
vorausſeßt, daß die Kunſt des Sehens auf den Gymnaſien unglaublich 
vernachläſſigt wird, endlich, daß gegenüber den ausſchließlich geiſtigen
	        

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