Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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dieſelben von den Elementen an in ſyſtematiſcher Ordnung und BVoll- 
ſtändigkeit zu lehren. Das richtige Mittel, durch welches die Schule 
die Befähigung zum naturwiſſenſchaftlichen Studium mitteilen kann, it 
ſyſtematiſche Übung der ſinnlichen Wahrnehmung und richtiger Schluß- 
folgerung aus den Beobachtungen. Eine gewiſſe Abrundung der dabei 
naturgemäß mit dargebotenen poſitiven Kenntmſje iſt nur im Intereſſe 
derjenigen Schüler wünſchen3wert, welche ſpäter kein naturwiſſenſchaftliches 
Fach ergreifen, damit ſie nicht als Philologen, Theologen, Juriſten 2c. 
allen natürlichen Dingen rat- und hilflos gegenüberſtehen. 
In den niederen Klaſſen wird man vorwiegend beſchreibende Natur- 
wiſſenſchaften treiben, in den oberen Naturlehre oder Phyſik, in welche 
nur die erſten Elemente der Chemie einzuſchalten ſind. Aus allen diejen 
Fächern ſind nur einzelne pädagogiſch gut brauchbare Teile au8zuwählen; 
auch iſt für möglichſte Wechſelwirkung mit anderen Unterricht8zweigen 
zu jorgen. 
Im mathematiſchen Unterrichte hat die Hochſchule die höhere, die 
Vorbereitungsſhule möglichſt vollſtändig die niedere Mathematik zu 
erledigen. Nicht auf die Gewinnung von Kenntniſſen, ſondern auf An- 
eignung der Fähigkeit, mit mathematiſchen Methoden zu operieren, kommt 
e3 im Schulunterricht vorzug8weiſe an. Die Mathematik ſoll als ein 
wertvolles Hilfsmittel zum. Verſtändnis der Natur „geſchäßt werden; 
„de8halb müſſen zahlreiche Beiſpiele der Anwendung gegeben werden,die 
man namentlich dem Unterricht in der Naturlehre zu entnehmen oder 
im dieſen hineinzuverlegen hat. 
Bei richtiger Methode ſind dieſe Ziele in durc<weg 
vier mathematiſchen und zwei naturwiſſenſchaftlichen 
Wochenſtunden erreichbar, bei ſchlechter Methode auch in 
der doppelten Zeit nicht. 
Dieſe verhältni3mäßig geringe Stundenzahl ſeßt aber vor allem 
eine richtige methodiſche Ausbildung der mathematijchen 
und naturwiſſenſchaftlichen Lehrer voraus; denn nur bei jehr 
guter Auönußung der Zeit iſt. der gewünſchte Erfolg zu erreichen. Ferner 
iſt wichtig, daß Mathematik und Naturwiſſenſchaften von jeiten der 
Lehrerkollegien nicht mehr als eine läſtige, den philologiſchen Unterricht 
beeinträchtigende Bürde, ſondern als ein wertvolles Mittel allſeitiger 
Menjſchenbildung angeſehen und als ſolches geachtet werden. Eine ge- 
ſunde Gegenwirkung gegen die Einſeitigkeit philologiſcher 
Bildung, die ſich irrtümlich für eine univerſelle auſieht,
	        

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