Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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29. Dazu ſcheint unerläßlich: 
a) eine umfaſſendere und konjequentere Durchfüh- 
rung des Grundſaßes der Anſchaulichkeit in allem 
Unterricht, | 
b) eine längere Pflege de38 Zeichenunterrichts. 
Der Vorſißende der Verſammlung ſchlug vor, nicht in eine Spezial- 
debatte über dieſen Vortrag einzutreten, auch nicht die beiden Thejen 
der Verhandlung zu Grunde zu legen, weil dieſelben zweiſello3 
allgemeine Zuſtimmung fänden, ſondern nur eine Generaldebatte 
über den Gegenſtand de8 Vortrages einzuleiten. Nachdem die Ber- 
ſammlung dieſen Vorſchlag gebilligt hatte, begrüßte zunächſt 
Profeſſor Dr. Menge-Halle den Redner als Bundesgenojjen in 
Beſtrebungen, die er ſchon lange verfolgt habe. Er erkennt an, daß die 
Sprache das Hauptmittel ſei, um den Vorſtellungskreis der Schüler zu 
erweitern, aber aller Unterricht, auch der ſprachliche, ſolle anſchaulich 
ſein. Anfang38 ſei es wohl ſchwierig, dies durchzuführen, wenn man 
aber früh anfange und jede Gelegenheit benuße, jo könne doch ein Vorrat 
von Anſchauungsſtoff geſammelt werden, mit welchem dann weiter ge- 
arbeitet werden könne. Erreiche man aber dieſes Ziel, jo ſei es fortan 
unmöglich, daß der Verbalismus im Unterricht fich breit mache. Zwei 
Punkte aber habe er noch beſonder3 zu dem hinzuzufügen, was Horne- 
mann ausgeführt habe. Wenn man dem Schüler die Augen öffne und 
ihn recht ſehen lehre, dann könne man dem berechtigten Streben ent- 
gegenkommen, ſich das Leben möglichſt jh ön zu geſtalten. Dann ſei 
dem Schüler erſt der rechte Genuß der Natur und der Werke der Kunſt 
eröffnet. Zweitens aber müſſe man neben der Anſchaulichkeit der Form 
auch die der Größe pflegen. Man mühe die Größe nicht bloß ver- 
baliſtiſch durch Zahlen, ſondern anſchaulich durch den Vergleich mit be- 
kannten Dingen lehren. Dieſem Zwe> habe er auch durch ſein Buch : 
„Antike Rechenaufgaben" dienen wollen. So hätten die Schüler oft 
keine Hare Vorſtellung von der Größe des Heeres des Xerxes, vom 
Staats8haushalt der Athener, von einem Talent. Man müſſe ihnen 
durch paſſend gewählte Rechnungen dieſe Größen anſchaulich machen. 
Oberlehrer Dr. Such3land- Halle erwidert, ex habe Menges 
Buch im Rechenunterricht brauchen wollen, das fei aber unmöglich, weil 
man keine Zeit dazu habe. Es iſt gut, fährt er fort, daß auf die An- 
ſchauung ſo viel Gewicht gelegt wird. Wenn aber jeit 1882 in dieſer 
Beziehung ein Rückſchritt zu erkennen iſt, ſo liegt der Grund dafür nicht
	        

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