Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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trachtung der Natur micht erjeßen können, aber ſehr ſchwer ſei die Frage, 
wie dieſe erreichbar fei. Die Forderung, den Unterricht im Freien zu 
erteilen, ſtoße auf praktiſche Hinderniſſe. Für die Pflanzenkunde könne 
man wenigſtens einen Teil der Pflanzen durch botanijche Gärten be- 
jIchaffen, für die Tierkunde jei eine ähnliche Einrichtung ſehr ſchwierig. 
Er ſei anderer Meinung als Profeſſor Lothar Meyer hinſichtlich der 
Verteilung des Stoffe8: die beſchreibenden Naturwiſſenſchaften dürften 
nicht in den unteren Klaſſen gegeben werden, nötiger und erfolgreicher 
jei dieſer Unterricht auf ſpäteren Stufen. Die ſphäriſche Trigonometrie 
ſei eine Spezialität und könne wegfallen; etwas geometriſches Zeichnen 
aber ſei der techmichen Hochſchulen wegen unentbehrlich. 
Realgymnaſiallehrer Vieweger- Danzig freut fich über die An- 
erkennung, welche der Zeichenunterricht gefunden habe. Das Zeichnen 
müſſe auch bei der Verſekung berückſichtigt und die Stellung der Zeichen- 
lehrer gehoben werden. Natürlich müßten diejelben dann auch eine 
andere Vorbildung erhalten: fie müßten die Reifeprüfung beſtanden und 
wiſſenſchaftliche Bildung erworben haben; etwa das Mittelichul-Examen 
jei von ihnen zu fordern. 
Profeſjor Dr. Lothar Meyer. Analytiſche Geometrie iſt im 
Unterricht beizubehalten, dagegen kann die ſphäriſche Trigonometrie weg- 
gelaſjen werden. Das Zeichnen in Prima kann wohl wahlfrei jein; eine 
gewiſſe Freiheit iſt in -diejer Beziehung ganz gut. Der Unterricht in 
den beſchreibenden Naturwiſſjenſchaften iſt dem älteren Schüler zu kleinlich 
und weitläufig; er muß in den unteren Klaſſen getrieben werden. Die 
Phyſik kann man doch erſt recht nicht früher anfangen. Ausflüge ſind 
allerding38 vorzugsweiſe für die Pflanzenkunde nüßlich, doch laſſen ſie 
fich für die Tierkunde vielfach nußbar machen. Wann und wie, das 
muß man dem Takte des Lehrer38 überlaſſen. Vor dem Zuviel in der 
Pflege der Anſchauung braucht man nicht zu warnen: die Schüler ſind 
nicht blind geworden, jondern blind gelaſſen. Die Phyſiologie 
und Anatomie iſt auf der Schule für künftige Medizimer unnötig, aber 
für die anderen Fächer ſehr wünſchenöwert. Denn der Menſch foll ſich doch 
ſelbſt kennen. Sie läßt ſich auf mancherlei Art gelegentlich in der Natur- 
lehre mitbehandeln, z. B. die Atmung bei der Theorie der Verbrennung. 
Während Suchsland-Halle und Hoppe-Berlin die analytiſche 
Geometrie auf der Schule für unnötig erklären, halten Hering-8Frei- 
berg und Lothar Meyer-Tübingen an ihrer Auffaſſung feſt. 
Direktor Dr. Frik- Halle. Es iſt ſehr erfreulich, daß die drei
	        

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