Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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mathematiſcher Genauigkeit behauptet werden, daß das geſamte Erzeugnis 
an vollſtändig ausgebildeten Maſchinentechnikern ſeitens unjeres Poly- 
technikums ſich im Durchſchnitt per Jahr auf 2 Mann beziffert. Meine 
Herren, daß dieſe Zahl nicht zureicht, um das ſtaatliche Bedürfnis =- 
und noch weniger, vm das Bedürfnis unſerer Induſtrie nach vollſtändig 
gebildeten Maſchinentechnikern zu befriedigen, wird keines weiteren Be- 
weiſes bedürfen. Zſt aber das zugegeben, ſo ſcheint aller Grund dafür 
vorzuliegen, daß wir uns nach Mitteln umſehen, um auch dieſem Übel- 
ſtand bei Zeiten zu begegnen. 
Ich finde dieſe Mittel zunächſt darin, daß ein Teil des Stromes, 
der in übergroßer Mächtigkeit jezt noch unſerer Lande8-Univerſität aus 
den humaniſtiſchen Gymnaſien zufließt, abgelenkt wird auf unſer Poly- 
technifum. Mit gewaltſamen Maßregeln läßt ſich hier nicht8 machen, 
aber durch Zuſpruch, Rat und durch Erleichterung des Eintritt3 in das 
Polytechnikum läßt fich doch wohl = darüber habe ich gar keinen 
Zweifel --- mancher Erfolg erhoffen. 
Ich denke mir die Sache jo: die anerkannt beſte Vorbildungsſtelle 
für das Studium auf einer techniſchen Hochſchule ijt ja unſer Real- 
gymnaſium, ein leuchtendes Beiſpiel einer mathematiſch-humamijtijchen 
Anſtalt, wie wohl Deutſchland keine zweite beſizt. Hier in dieſer An- 
ſtalt, die von Haus aus noch ein vollſtändiges Gymnaſium iſt, ijt ver- 
eint, was die Verehrer humaniſtiſcher und techniſch-realiſtiſcher Studien 
wünſchen. Auf der einen Seite wird voll und ganz noch dem Sprach 
ſtudium, wenigſtens bezüglich der lateimſchen Sprache, obgelegen und 
auf der andern Seite wird, zum mindeſten in ven höheren Klaſſen, im 
Studium der Naturwiſſenſchaft, der Mathematik und des Zeichnens 
nichts verjäumt. 
Meine Herren, es iſt nun aber zur Zeit leider außerordentlich 
jchwer, namentlich bezüglich der begabteſten Schüler unſerer humaniſtiſchen 
Gymnaſien, für ſie einen Anreiz zum Eintritt in ein Realgymnaſium zu 
ſchaffen ; denn ſobald der Gymnaſiaſt ſich ſpäteſten38 im 12. oder 13. Jahr 
entſchieden hat, in ein Realgymnaſium einzutreten, bleibt ihm jofort eine 
Reihe von Berufsarten verſchloſſen, wenn er fich micht einer außer- 
gewöhnlichen Verlängerung ſeiner Studien und Nachprüfungen ausſeßen 
will. Ich gebe nun zu, daß es mit Schwierigkeit für die württem- 
bergiſche Regierung verbunden ſein wird, in der bezeichneten Richtung 
furzerhand Änderungen zum beſſeren eintreten zu laſſen, aber ich möchte 
doch auch nicht unterlaſſen, wiederholt zu betonen, daß wir in unſeren
	        

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