Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Macht der Dinge von ſelbſt auf die Bahn führen wird, auf welche ich 
gern die Nation getrieben wiſjen möchte. 
Allein immerhin wird e8 recht gut ſein, wenn ein Mann an der 
Stelle unſere8 Herrn Kultusminiſter8, wenn ein Mann von der littera- 
riſchen Bedeutung wie er ſeine Stimme erhebt dafür, daß nun endlich 
einmal ein ernſtlicher Fortſchritt gemacht wird. Er möge glauben, daß 
die Stimme Württemberg38 in Berlin durchaus nicht überhört wird. 
I< weiß ganz poſitiv, daß Württemberg dort recht gut angeſchrieben 
iſt, daß man alſo einen Mann, einen württembergiſchen Miniſter von 
ſeiner Qualität gewiß anhören wird ; ich weiß auch ganz poſitiv, daß 
man au maßgebender Stelle dem Gedanken gar nicht ſo fern und jo 
fremd iſt, wie die Herren Humaniſten ſich einbilden, und ich glaube 
de8wegen, daß das Land, daß das Polytechnikum ihm außerordentlich 
dankbar dafür ſein würde, wenn er dieſe Bahn beſchreiten wollte. 
Ic<h habe die Frage, inwieweit der Herr Miniſter ſelbſt vorgehen 
könnte, genau unterſucht, ich habe fie juriſtiſch genau unterſucht und bin 
darüber nicht im Zweifel, daß ex die Verfügung treffen könnte, daß der 
Württemberger, welcher das württembergiſche Realgymnaſium abſolviert 
hat, Jura ſtudieren und in Tübingen aufgenommen werden könne mit 
der Wirkung, daß ex in Württemberg daun praktiſcher Juriſt werden 
könnte. Was3 den Mediziner anbelangt, ſo liegt das auf einem anderen 
Gebiet, weil die Medizin eigentümlicherweiſe nicht als Wiſſenſchaft, 
ſondern als Gewerbe behandelt wird; de8wegen trifft in der Medizin 
formell nicht dasſelbe zu, was in der Jurisprudenz. I< habe mir lange 
überlegt, ob ich dem Herrn Miniſter in dieſer Richtung ein Anſinnen 
ſtellen follte oder nicht; mir iſt aber die allgemeine Frage zu bedeutend, 
als daß ich mich mit einem ſolchen Wunſche an ihn wenden möchte, 
und abſtrahiere für meinen Teil wenigſten38 von dieſem Gedanken, in dem 
ich mich darauf beſchränke, ihn dringend zu bitten, doch eine Reviſion 
der Konvention vom Jahre 1874 herbeizuführen. 
I< komme nun auf den Punkt, den der Herr Abgeordnete von Obern- 
dorf (Oberbaurat v. Leibbrand) nur berührt hat, vielleicht weil er fürchtete 
anzuſtoßen, wenn ex die Sache als Techniker klarer ausſprechen würde. Er 
berührte den Studienzwang und das Korp3unweſen. Der Herr Abgeordnete 
von Oberndorf hat dabei ausgeſprochen, daß dieſe Freiheiten der Studieren- 
den zur Not noch angingen auf der Univerſität, aber auf dem Polytechmkum 
abſolut nicht. Ob es auf der Univerſität gut angeht, das iſt mr auch noch 
ſehr zweifelhaft, es iſt mir zweifelhaft, ob es ein großes Glück iſt, wenn 
Pädagogiſches Archiv. Band XXIX (6), 1887, 96
	        

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