Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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die Herren Studierenden das Recht haben, unter der Firma der „Studien- 
freiheit“ nicht zu ſtudieren, ob es ein großer Vorzug iſt, wenn ſie mit 
Bändern und zerfehten Geſichtern herumgehen, ob e3 ein Vorzug iſt, wenn 
der Fechtboden abſolut dem Kollegium vorgeht, wie das in den Statuten 
vieler Korps ſteht. I< bin darüber im Zweifel, ob das auch für die Uni- 
verſität gut iſt; ich möchte die Herren Studierenden nicht inkommodieren 
bei ihrem Frühſchoppen, bei ihren Menſuren, ich ſpreche nur in Be- 
ziehung auf das Polytechmkum. Wenn ich nicht irre, ſo hat ſrüher 
dieſe Rubrik in unſerem Ctat nicht Polytechnikum, jondern polytechnijche 
Schule geheißen ; ich würde es für eine gute Vorbedeutung halten, wenn 
im künftigen Etat die Rubrik (0 wieder ſtatt „Polytechnikum“ poly- 
techniſc<e Schule hieße, d. h. mit andern Worten, daß man den Herren 
yolytechniſchen Schülern jagen könnte und würde: ihr habt eure Kolle- 
gien zu beſuchen, ihr habt euch ſemeſtral prüfen zu laſſen über das, was 
ihr gelernt habt, und ihr habt nicht das Recht, jeden Tag und zu jeder 
Stunde beliebig mit Bändern und zerfeßten Geſichtern auf der Königs- 
ſtraße ſpazieren zu gehen, ſondern ihr gehört ins Kollegium, ihr jeid 
Schüler und ihr habt nicht die Freiheit, nicht zu ſtudieren. Damit 
fommt man dann zu Leuten, die etwas vermögen, die etwas kennen. 
Meine Herren, wenn ich mich zurückdenke in die Zeit, als ich die 
Verwaltung der Eiſenbahnen noch hatte, als ſo viele Eiſenbahnen ent- 
ſtanden, habe ich eine eigentümliche Erfahrung gemacht, nämlich daß die 
Oberbauräte die Schüler der Baugewerkeſchule den Polytechnikern vor- 
gezogen haben, daß fie immer das Kreuz gemacht haben, wenn ſie Poly- 
techniker anſtellen jollten, wogegen ſie mit zehn Fingern nach den Schülern 
der Baugewerkeſchule griffen. Iſt das nicht der Beweis, daß da irgend 
etwas faul iſt im Reiche Dänemark? Des8wegen möchte ich bitten, mit 
den Herren kein ſo großes Federlejen zu machen und ſie daran zu er- 
innern, daß ſie von ihren Eltern geſchi>t worden ſind, um etwas zu 
lernen, und daß der Staat das Polytechnikum erhält, damit man dort 
etwa3 erlerne, daß unſere vortrefflichen Lehrer nicht da ſind, um vor 
leeren Bänken oder unaufmerkſamen Schülern zu lehren. 
Ich komme jetzt noch auf einen anderen Punkt, ich verſeze mich als 
Techniker aus der Schule ins Leben, und da muß ich Ihnen ſagen, daß 
ich ſowohl im Privat- als im Staatsleben e8 immer als großen Fehler 
angeſehen habe, wenn an der Spike eines techniſchen Unternehmens (ich 
wähle den Ausdru> Unternehmen als einen generellen Ausdruck) nicht 
ein Techniker, ſondern =- ich gebrauche den Ausdru> nicht, ich nenne
	        

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