Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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geſteigert und der Andrang nach der Univerſität vermindert werden joll, 
davon kann ich mir keine Vorſtellung machen, das muß man dem Pu- 
plifum überlaſſen, zu was es mehr Vertrauen hat. Da iſt der Spiel- 
raum für eine Thätigkeit der höheren Behörde, nach meiner Anſicht ein 
ſehr kleiner und enger. 
Aber ich möchte, ſo anregend in vieler Beziehung alle3 das war, 
was wir von ſeiten der Herren Abgeordneten gehört haben, doch der 
Meinung ſein, daß eigentlich unſere Kammer nicht in der Lage jein wird, 
in dieſen Dingen nach der einen oder anderen Richtung irgend etwas 
Beſtimmtes au3szuſprechen ; ich kann mir wenigſten3 nicht recht denken, wer 
von uns im ſtande ſein wollte, etwas vorzuſchlagen, das nicht wieder zu 
allerhand Diskuſſionen führte und das von einer Mehrheit dieſes Haujes 
angenommen und als richtig erklärt würde. Überhaupt iſt eben der Ein- 
fluß der Staat3behörden auf das Unterricht8weſen ein viel kleinerer, als 
man ſich gewöhnlich vorſtellt. Die höheren Schulen gehen ſo ihren Gang, 
wenn auch oft durch Umwege und irrige Wege, aber man muß ihnen 
überlaſſen, den Au8gang zu ſuchen und zu finden, und ſo iſt jezt dieje Be- 
wegung zwiſchen dem Realgymnaſium und den humaniſtiſchen Gymnaſien 
an der Tage8ordnung, und es hat bis Jeßt meines Wiſſens noch keine 
Regierung in Deutſchland da in energiſcher Weiſe nach der einen oder 
andern Seite eingegriſſen. 
Ich will Sie nicht länger aufhalten, ich muß überhaupt um Ent- 
ſchuldigung bitten, wenn ich in diejer Sache, deren Anregung ich eigent- 
lich hier nicht erwartet habe, und wobei ich dieſen intereſſanten Vor- 
trägen nur zuhören konnte, auch nur unvollkommen antworten konnte und 
vieles ganz beiſeite laſſen mußte, aber ich wollte wenigſtens mc<t unter- 
laſſen, einige Bemerkungen darüber zu machen. 
v. Bagnato (Profeſſor am Gymnaſium zu Ehingen): Meine 
Herren, nach der vortrefflichen Rede des Herrn Kanzlers kann ich mich, 
da ich bezüglich der humaniſtiſchen Studien mich mit ſeinen Anſchauungen 
weſentlich im Einklang finde, kurz faſſen. I< kann mich im allgemeinen 
auf das, was ich am 27. März 1885 in dieſer Frage geſprochen habe, 
berufen und füge nur weniges bei. 
Vor allem würde e8 mich ſehr freuen, wenn durch maſſenhaften Zu- 
tritt aus dem Realgymnaſium an das Polytechnikum diejer Schule ein 
erfreulicher Zuwach8 geſichert würde und wenn die gegenwärtig ſich 
immer mächtiger entwickelnde Induſtrie aus der Bildung des Real- 
gymnaſiums einen weſentlichen Nußen ziehen würde, und ſollte je die
	        

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