Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Dieſe Denkſchrift ſchließt mit folgenden Worten, die uns beſcheidenen 
Schulfreunden, die wir ſeit vielen Jahren bezüglich der Berechtigungen 
verſucht haben, auf Reformen zu dringen, ohne an maßgebender Stelle 
Gegenliebe zu finden, wohl al8 Vorbild dienen können, die aber in dem 
Munde des nach unten hin allmächtigen Kultusminiſter38 eigentümlich 
anmuten: 
Gleichwohl bleiben noch einige wichtige Berechtigungen, welche, 
jelbſt wenn man in den Konzeſſionen an die Realanſtalt ohne 
Latein nicht jo weit gehen will, als in anderen, zum Beiſpiel 
ſüddeutſchen, Ländern geſchehen, doch ihrem naturgemäßen Gebiet 
anzugehören ſcheinen. 
Die Unterricht3-Verwaltung wird es in diejer Beztehung amn 
Anregungen nicht fehlen laſſen. Aber die Entſcheidung liegt 
nicht bei ihr allein. Der Fortichritt wird nach der Natur der 
Dinge nur allmählich erfolgen. Wer aber von der Notwendig- 
keit überzeugt iſt, daß nach den Bedürfniſſen unſeres heutigen 
bürgerlichen Leben38 auch diejenige Realanſtalt, welche ihren 
Lehrplan durch Beſchränkung auf die modernen Sprachen ver- 
einfacht, innerhalb unjeres Unterrichts - Syſtem38 vertreten ſei, 
wird fich durch die Allmählichkeit jenes Fortſchrittes nicht irre 
machen laſſen. 
Meine Herren, ſeitdem ſind ſec<38 Jahre durch das Land gegatgen. 
Die Freunde einer verſtändigen, den Zeitverhältniſſen entſprechenden Ver- 
teilung der Arbeit zwiſchen realiſtiſchen und ſogenannten humaniſtiſchen 
Anſtalten, gleichzeitig auch die Freunde einer Entlaſtung der Gymnaſien 
und Real-Gymnaſien von dem Ballaſt derjemgen Schüler, die aus den 
mederen und mittleren Klaſſen abgehen und auf diejen Anſtalten doch 
weſentlich nur eine Förderung ihrer formalen Bildung, aber nur un- 
zureichend eine Förderung ihrer idealen Lebens8zwe>e gewinnen, haben 
den allmählichen Fortſchritt in ungehemmten Rückjchritt übergehen jehen. 
Von allen den Hoffnungen, die den Schulen mit auf den Leben8weg ge- 
geben, hat ſich keine einzige verwirklicht. Keine einzige der damals in 
Ausſicht genommenen Berechtigungen iſt ſpäter erteilt worden. Dieſelben 
Männer, die damals, ſei es perſönlich, wie Herr Staat8miniſter Dr. Lu- 
cius, ſei e8 durch einen Kommiſſar, wie Herr Staatsminiſter Maybach, 
ſich ſo energiſch für die Berechtigung der Schulen ausgeſprochen haben, 
haben als Reſſortminſter zu ihrer Förderung keinen Finger gerührt. 
Wenn nun in dieſer Weiſe die Schulen nicht gefördert worden ſind,
	        

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