Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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jal der Ober-Realjſc<hulen hinausragende Bedeutung haben. Wenn auf 
irgend einem Gebiete, jo iſt auf dem Gebiete des Unterricht3weſens Sta- 
bilität die allerwichtigſte Vorausjezung des Gedeihens. Dieſe Sta- 
bilität iſt aber auch bezüglich unjerer höheren Schulen, ſoweit ſie neun- 
klaſſig entwickelt find, nur dadurch zu gewinnen, daß den Schulen die 
Befähigung, Staatsdiener zu erziehen, erteilt und, nachdem erteilt, nicht 
wieder entzogen werde. Man kann ja vielleicht wünſchen, daß e3 anders 
jein möchte, aber die Thatſache wird niemand beſtreiten: der Herr Kultus- 
miniſter war nicht im Recht, als er meinen Ausführungen beim Etat 
gegenüber erwiderte, daß ein viel wichtigeres Recht die Einjährig-Frei- 
willigen-Berechtigung jei. Daß das nicht der Fall iſt, zeigt ja gerade 
das Schijal der Realjhulen und der höheren Bürgerſchulen, die troß 
diejes Rechtes mc<t zu einer geſunden Entwickelung in Preußen haben 
kommen können. Denn, meine Herren, was bedeuten die 39 ſolcher Schulen, 
auf die der Herr Mimiſter fich damals berief, gegenüber den 7/10 aller 
Schüler, die eine höhere Bildung als die der Volksſchule beanſpruchen, 
jene38 Teiles unſerer Jugend, der eigentlich auf höhere Bürgerſchulen 
gehört und heute fich mit der unabgeſchloſſenen Bildung der mittleren 
und unteren Klaſjen der höheren Schulen behelfen muß. E8 iſt alſo 
meiner Anſicht nach durch die thatfächliche Entwickelung der Dinge be- 
wieſen, daß nur die Befähigung der Schulen, für den Staats8dienſt vor- 
zubereiten, den neunklaſſigen Schulen eine günſtige Entwikelung bieten 
kann. Die ſchüßende Hand, von der der Herr Miniſter ſprach, vermag 
ihnen dieje Berechtigung in keiner Weiſe zu erjezen. Wie ſehr ich dieſe 
Hand auch jchäße : in ihrer Wirkung, jo bin ich überzeugt, iſt ſie der 
platomijchen Liebe gleich zu achten. 
(E38 bedarf für jede höhere Schule zum Wetteifer im wiſſenſchaftlichen 
Streben einer Anzahl von Schülern, deren Leben8gang ihnen unerläßlich 
das abgelegte Abiturienten-Examen vorſchreibt, ſonſt gehen erfahrungs- 
gemäß nach Oberſekunda, nach Unterprima, ja ſelbſt unmittelbar vor dem 
Examen recht viele ab. Der größeren Zahl ſolcher Schüler wegen ver- 
danken die mit der Fülle aller Berechtigungen ausgeſtatteten Gymnaſien 
ihre relativ vollen oberen Klaſſen, der geringen Zahl ſolcher Schüler 
wegen kämpfen die Realgymnaſien und Oberrealſchulen den verzweifelt 
harten Kampf um die Exiſtenz ihrer drei, über die Freiwilligenberechtigung 
hinaus8gehenden Klaſſen. Wie viel geiſtige Kraft in dieſem Kampfe in 
unjerem Staate vergeudet wird, will ich nur ganz nebenbei erwähnen. 
Nun fragen die Anhänger des Gymnaſialmonopol3: Iſt e8 überhaupt
	        

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