Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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durch ſeine Vorſchläge zu vermeiden ſuchen. Die ſeit der erſten (und 
bis jetzt einzigen) grundſätzlichen Regelung des höheren Schulweſens in 
Preußen (vor 50 Jahren) hervorgetretenen Mängel ſind m. E. drei:' 
1. Für den Schüler - muß zu früh unter verſchiedenen Schulen gewählt. 
und damit indirekt über die Wahl des Berufs entſchieden werden. 2. Die 
mit dem Freiwilligen-Zeugni8 die neunjährigen Schulen verlajſjenden 
Schüler (etwa */5 aller Abgehenden) nehmen eine unfruchtbare Bildung. 
ins Leben mit. 3. Die Individualität des Schüler8 findet auf dem 
Gymnaſium zu wenig Berückſichtigung. Wer nicht beſondere Neigung 
und Begabung zur Beſchäftigung mit den alten Sprachen hat, kommt 
auf dem Gymnaſium, ſelbſt bei gutem Fleiß, nur mit großer Mühe 
vorwärts. 
Werden dieſe Mängel al8 wirklich beſtehend anerkannt, ſo wird man 
auch folgende Geſtaltung des höheren Schulweſens als die richtige an- 
erkennen müſſen. Alle Schüler beſuchen zunächſt diejebe Schule, 
die einen ſech8jährigen Lehrgang hat und auf einen Ab- 
ſchluß berechnet iſt. An dieſen Unterbau ſchließen jich 
eine ſprachliche und eine mathematiſch-naturwiſſenſc<haft- 
liche Abteilung. Der Unterricht in einzelnen Fächern iſt 
für beide Abteilungen gemeinſam. Da3 Reifezeugnis 
jeder Abteilung berechtigt zu allen Studien. Weder in 
den ſech3 erſten Jahren noch in der mathematiſch-natur- 
wiſſenſchaftlichen Abteilung darf Griechiſch gelehrt wer- ., 
den, weil ſonſt ein Abſchluß nach ſechs Jahren ganz undenkbar iſt, und ; . 
weil die Schüler der mathematiſch-naturwiſſenſchaftlichen Abteilung nur 
dann eingehender mit den Hauptfächern des Unterrichts8 ſich beſaſſen 
können, wenn ſie nicht zur Beſchäftigung mit dem Griechijchen genö- 
gitt find. 
Wenn das Griechiſche unbedingt zur „allgemeinen Bildung" gehörte, 
ſo müßte allerdings jeder Griechiſch treiben, der fich den Studien widmen 
will, alſo ſpäter unter Umſtänden eine leitende Stellung einzunehmen 
berufen iſt. Die Frage, ob dasjenige Maß von Kenntnis des Grie- 
chiſchen, welches ein Schüler durſchnittlich auf dem Gymnaſium erwirbt, 
ein notwendiger Beſtandteil der allgemeinen Bildung iſt, bildet de8halb 
den Kernpunkt der heutigen Erörterungen; die Frage de>t ſich aber auch 
im weſentlichen mit der „Realjchulfrage“. 
Der Umfang des Begriffs „allgemeine Bildung“ iſt abhängig von 
dem jeweiligen Stande der Kultur, die Feſtſezung des Begriff8 würde in 
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