Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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eines Miniſter3 durch geſeßliche Einrichtungen ein feſter Damm entgegen» 
gejezt werde. Die in den Kreijen der dem Baufach Angehörigen hexr- 
jchende Meinung, wie das in der Petition Hobrecht und Genoſſen zum 
Ausdruck kommt, die Meinung, daß eine höhere allgemeine Bildung ohne 
die Beſchäftigung mit der griechiſchen und lateiniſchen Sprache überhaupt 
nicht erworben werden könne, daß die foziale Stellung der Staat8beamten 
im Bau-, Ingenieur= und Maſchinenfach geſchädigt würde, wenn ſie eine 
andere Vorbildung erhalten hätten als die Juriſten, iſt eine berechtigte 
heute micht mehr zu nennen. 
Wa3 vor 50, ja 20 Jahren vielleicht al8 richtig anerkannt werden 
konnte, das, meine Herren, erſcheint heute als ein Vorurteil; man müßte 
denn leugnen, daß die Naturwiſſenſchaften dem heutigen Zeitalter den 
Stempel aufgedrückt haben; die ungeahnte Entwickelung derſelben ſtellt 
größere Anforderungen an diejenigen, welche ſich den höheren Studien 
widmen wollen, in denen die mathematiſchen und die Naturwiſſenſchaften 
die maßgebenden ſind, und da8, meine Herren, iſt vor allem in den 
höheren techniſchen Beruf8zweigen der Fall. Meine Herren, die Ober- 
realjchulen verwenden die Zeit, welche die Gymnaſien und Realgymnaſien 
für den Unterricht in den alten Sprachen nötig haben, auf da8 Studium 
der modernen Wiſſenſchaften, welche auf den techniſchen Hochſchulen ver- 
wendet werden können. 14 Stunden wöchentlich braucht das Gymnaſium, 
5 Stunden das Realgymnaſium für die alten Sprachen. Alſo die Hälfte 
der Schulzeit während der neunjährigen Dauer derſelben mit bezug auf 
das Gymnaſium, und den fünften Teil in bezug auf das Realgymnaſium 
kann die Oberrealſchule mehr auf den Unterricht in den neueren Sprachen, 
der Mathematik und den Naturwiſſenſchaften verwenden. 
Der Direktor des berlimſchen Gymnaſiums zum Grauen Kloſter, Dr. 
Hofmann, hat hier im Jahre 1879 eingehend darüber geſprochen ; ex 
erflärte, daß die Oberrealſchulen ſehr viel mehr als die Gymnaſien und 
erheblich mehr leiſteten als die Realgymnaſien; er kam zu dem von den 
meiſten Fachmännern und Sachverſtändigen geteilten und eigentlich wohl 
ganz richtigen Schluſſe, daß die Oberrealſchule als Vorbereitungsanſtalt 
für die tehmſche Hochſchule den Gymnaſien und Realſchulen weit über- 
legen jei. Meine Herren, kein Menſch würde, wenn e3 ſelbſt zuläſſig 
wäre, die Oberrealſchule als eine geeignete Vorbereitungsanſtalt etwa 
für die Theologie oder Philologie anſehen, Aber, meine Herren, um- 
gekehrt wird keiner, der ſich den naturwiſſenſchaftlichen oder den techniſchen 
Studien, dem Ingenieur- und Maſchinenfach oder der techniſchen Chemie
	        

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