Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Die Unterrichtskommiſſion, meine Herren, iſt von der Anſicht aus- 
gegangen, daß die Verfügung des Herrn Miniſters der öffentlichen Ar- 
beiten vom 6. Juli vorigen Jahres die Intereſſen der Oberrealſchulen 
und der im Beſiß ſolcher Schulen befindlichen Städte ſchädige und be- 
einträchtige. Die Behauptung in den Petitionen, daß durch dieſe Ver- 
fügung den Oberrealſchulen der Lebensnerv durchgeſchnitten ſei, hat wohl 
bei niemandem Glauben gefunden; dagegen hat man ſich in der Kom- 
miſſion der Annahme zugeneigt, daß dieſe Verfügung geeignet ſei, die 
Frequenz der Oberrealſchulen zu ſchädigen und das Relief derſelben in 
den Augen des Publikums herabzuſeßen. Beide Befürchtungen erſcheinen 
mix unbegründet oder können doch nur mit großen Einſchränfungen und 
m geringem: Umfange als berechtigt anerkannt werden. 
Neben der . Vorbereitung für die techniſchen Hochſchulen ſind die 
Oberrealſchulen der Hauptſache nach dazu beſtimmt, den höheren Bürger- 
ſtänden tüchtige, wiſſenſchaftlich gebildete Elemente zuzuführen, und in 
ihrem eigenen Programm empfehlen ſich die Oberrealſchulen hauptſächlich 
denjenigen zum Beſuch, welche der Induſtrie, dem Gewerbe, der kauf- 
männiſchen Branche und der Landwirtſchaft ſich zuwenden wollen. Dieſer 
Hauptbeſtimmung der Oberrealſchulen entſpricht auch die Thatſache, daß 
diejelben in ihren unteren und mittleren Klaſſen eine ſtarke und wachſende 
Frequenz zeigen, dagegen in den höheren Klaſſen nur ſehr wenig beſucht, 
und daß Abiturienten-Prüfungen, wenn ſie überhaupt ſtattfinden, nur von 
verſchwindend wenigen abgelegt werden. 
Berückſichtigt man nun, daß durch die Verfügung des Herrn Mi- 
mſter8 der öffentlichen Arbeiten den Oberrealſchulen weder der Beſuch 
ver techniſchen Schulen, noch der Eintritt in private Stellungen des Bau- 
faches verj<hränft wird, fo wird man ſich wohl nicht der Anſicht zuneigen 
' können, daß durch dieſe Verfügung die Entwickelung der Oberrealſchulen 
dauernd beeinträchtigt und aufgehalten werden ſollte. Ebenſo wenig wird 
man annehmen können, daß das Renommee dieſer Schulen in den Augen 
des Publikums geſchädigt werde, da ja bei allen dieſen Verhandlungen 
von vornherein und mit Nachdruck betont worden iſt, daß der Grund für 
dieje Verfügung des Miniſter8 der öffentlichen Arbeiten mit nichten in 
der Überzeugung von der Unzulänglichkeit oder Ungeeignetheit der auf 
dieſen Schulen gewonnenen Vorbildung zu ſuchen ſei. 
Sollten aber wirklich wider Erwarten Nachteile durch dieſe Ver- 
fügung des Herrn Miniſters der öffentlichen Arbeiten für die Oberreal- 
ſchulen oder für die im Beſiz ſolcher Schulen befindlichen Städte erwachſen,
	        

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