Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Ebenſo bin ich weit davon entfernt, die großen Vorzüge, welche die 
laſſiſche Bildung allen, denen ſie zu teil geworden, gewährt, zu verkennen. 
Gewiß hat fie un38 allen ſchon unſchäßbar hohen geiſtigen Genuß bereitet, 
auch im jpäteren Alter, jo daß es undankbar wäre, dieſe Vorzüge zu 
verkennen. I< meine aber, daß man auch ohne durch die lateiniſche und 
griechiſche Syntax, Grammatik, und durch die Lexika ſich durchzuarbeiten 
diejen Genuß und Bildung3nußzen ſich erwerben kann, zumal noch die 
Litteratur der andern Sprachen, vor allem aber die unſerer Mutterſprache, 
in glänzendſtem Reflexe das widerſpiegelt, was uns in den griechiſchen 
und römiſchen Klaſſikern begeiſtert. 
(C3 wird weiter gerügt, daß gerade da8 Baufach herausgegriffen 
worden, um an ihm betreffs der Gleichberechtigung der Realſchul-Abi- 
turienten zu experimentieren, um gerade in ihm die zwei verſchiedenen 
Bildung3wegen entſproſſenen Kandidaten zu vereinen. 
Zu diejer Gleichſtellung liege eine capitis deminutio für diejemigen 
ſtaatlichen Baubeamten, welche die Gymnmnaſialbildung genoſſen hätten. 
Man vergißt dabei nur für die gegenwärtige Sachlage die viel ſchlimmere 
capitis deminutio, welche für die Zurücgeſtellten darin liegt, daß fie, 
objchon fie den früher für zureichend erkannten Bildungs8gang der Realſchule 
durchgemacht, fortan ihren im Gymnaſium vorgebildeten Kollegen gegen=- 
über in zweite Reihe zurücktreten ſollen. 
Der Bericht jagt uns: wer ſich einem beſtimmten Bildung8gange 
widmet, könne doch nur beanſpruchen, daß er für ſich perſönlich und für 
den bürgerlichen Verkehr ein tüchtiges Wiſſen erreiche, er habe aber keines- 
wegs ein Recht darauf, im Staatsdienſte angeſtellt zu werden; der Staat 
jei vielmehr befugt, den formalen Bildung8gang, den er für den Eintritt 
in eine gewiſſe Beamtenkategorie beanſpruche ſelbſtändig vorzuſchreiben. 
Ja, meine Herren, das iſt vollkommen richtig, gewiß hat der Staat 
dieje3 Recht. Ich teile de3halb auch die Anſicht des Abgeordneten v. Tiede- 
mann, daß der Herr Miniſter in gleicher Weiſe damals, als er die Be- 
rechtigung verlieh, wie ſpäter, als er ſie abſprach, durchaus innerhalb der 
Grenzen ſeiner Zuſtändigkeit vorgegangen iſt; das kann un3 aber durch- 
aus nicht abhalten, den Herrn Miniſter zu erſuchen, daß ex den Schritt, 
den er zuleßt gethan, wieder aufgebe. -- Das aber und nichts weiteres 
ijt der Zwe> des Antrages de8 Abgeordneten Dr. Hermes. 
Meine Herren, wenn man ſagt, zu einem techmſchen Fach, ſoweit 
es in den Staats8dienſt fällt, ſollen nur diejenigen zugelaſſen werden, die 
ſich auf Gymnaſien vorgebildet haben, ſo leiſten doch zweiſſellos die
	        

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