Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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gefommene fich einzudrängen vermag. Zwar beſtehen Prüfungen für 
Lehrer höherer Schulen, z. B. am Colleges of Preceptors und an den 
Umverſitäten zu London und Cambridge, aber nur wenige unterziehen 
ſich denjelben, da man ja durch bloße Empfehlungen einflußreicher Leute 
Stellen erhalten kann. Der Zuſtand wird erſt dann ein beſſerer werden, 
wenn die Prüfungen obligatoriſch find. Mit Vorliebe ſtellt man, be- 
jonders als Rektoren, Geiſtliche an, obwohl durch die Endowed School 
Act vom Jahre 1869 die Beſtimmung außer Kraft geſeßt iſt, daß die 
Rektoren unbedingt Geiſtliche ſein müſſen. 
Bei der Zuſammenſetzung des Lehrerkollegiums (statl of teachers) 
geht man im allgemeinen ſo zuwege, daß der Schulvorſtand (board ok 
managers oder governing body) den Rektor wählt und dieſer wiederum 
ſich nach eigenem Gutdünken die Lehrer (assistant teachers) ausſucht. 
Während der Direktor meiſt auf LebenSszeit angeſtellt iſt, alſo eine un- 
fkündbare Stellung einnimmt, ſind die Stellen der assistant teachers 
alle der Kündigung unterworfen. Die Kündigungsfriſt iſt eine ſehr kurze, 
3--4 Monate (ein term), Gründe zur Entlaſſung ſind oft in religiöſen 
Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen Lehrer und Direktor zu ſuchen, doch 
geben auch unbedeutendere Dinge Veranlaſſung zur Verabſchiedung eines 
Lehrer8. E3 zeigt ſich gerade in dieſem Punkte, daß der Rektor im 
weiteſten Sinne Herr der Schule iſt, der Lehrer anſtellt und entläßt, 
ohne einem Kultus8miniſterium Rechenſchaft davon zu geben, dem auch 
der Schulvorſtand nichts zu ſagen wagt, da auf ihm die ganze Verant- 
wortung in betreff des Gedeihen38 der Schule liegt. Während ſich alſo 
dem Rektor gegenüber alle Lehrer in gleich abhängiger Stellung befinden, 
unterſcheiden fie ſich unter einander je nach dem Univerſität3grade, den 
ſie erworben haben, oder nach Altersöſtufen, auch nach den Fächern, in 
denen fie unterrichten ; diejenigen 3. B., deren Fach nicht obligatoriſch 
iſt, deren Stunden extras heißen, werden von Kollegen, wie von 
Schülern weniger geachtet. Erzählt doch Brinsley-Richards in ſeinem 
Buche „Seven Years at Eton“, daß zu ſeiner Zeit, alſo vor ungefähr 
20 Jahren, ſolche Lehrer von den Schülern nicht gegrüßt worden ſeien. 
Der Rangunterſchied kommt auch äußerlich in der Amtskleidung, die in 
England wie in Frankreich von den Lehrern an höhern Schulen ge- 
tragen wird, zum Ausdruck. Sie beſteht aus einem Talar mit einer 
Art Kapuze (hood), welche von den Schultern auf den Rücken hinab- 
hängt, und deren Beſa und Farbe je nach den Graden verſchieden iſt. 
- In den Gehältern herricht eine große Verſchiedenheit, ſie ſind nicht
	        

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