Volltext: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

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Zu den nun folgenden Abſtimmungen über verſchiedene Punkte, deren 
erſte die Ablehnung des Körtingſchen Vorſchlages ergab, waren bald 
10 Stimmen für, 8 gegen, bald 7 für, 8 gegen einen Antrag, ein Vor- 
gang, der allgemeine Heiterkeit erregte. Aus dieſer Sachlage half der 
Verſammlung Herrn Direktor Steinmeyers8 Antrag, abſtimmen zu laſſen, 
1. wer für eine volle höhere Einheitöſchule (von VI bis 1) ſei, und 2. 
wer für eine Einheit8ſchule bis I1B ſei, von welcher Klaſſe ab dann 
eine Gabelung einzutreten habe. E38 ſtimmten für den erſten Antrag 24, 
für den zweiten 19 Herren, während 27 ſich der Abſtimmung enthielten. 
Darauf wurde beſchloſſen, über die zweite Theje überhaupt nicht abzu- 
ſtimmen. 
In der dritten Theſe: „Weder das Gymnaſium noch das Real- 
gymnaſium genügen den Anſorderungen der Gegenwart völlig. Das 
Gymnaſium iſt durch teilweiſe Annäherung an das Realgymnaſium ſo 
umzugeſtalten, daß es wieder al38 wirklich allgemeine Vorbereitungsanſtalt 
für alle Zweige gelehrter Fachbildung gelten kann. Dabei iſt das 
Griechiſche in der gegenwärtigen Ausdehnung im ganzen zu erhalten, 
das Lateiniſche, ſoweit nötig, zu beſchränken", erhält das Wort: 
Vieweger, ord. Lehrer am Realgymnaſium zu Danzig: Der in 
diejer Theſe enthaltene Satz: „dabei iſt das Griechiſche in der gegen- 
wärtigen Ausdehnung zu erhalten", gebe Redner Veranlaſſung, noch ein- 
mal auf die Unentbehrlichkeit des Griechiſchen für eine höhere Allgemein- 
bildung zurückzukommen. Herr Direktor Krumme habe verſprochen, 
geſchichtlich nachzuweiſen, daß das Griechiſche dafür entbehrlich ſei, er 
habe aber nicht8 weiter gethan, als Anſichten einer Anzahl 
bedeutender Männer über die Entbehrlichkeit des Grie- 
<ijchen zu citieren. Dadurch aber werde gar nichts bewieſen. 
Eine jede Zeit habe ihr beſonderes Bildungs8ideal. Zur Zeit der 
Gründung der Gymnaſien im 16. Jahrhundert ſei das Bildungsideal 
gewejen, das Lateiniſche an die Stelle der Mutterſprache zu ſetzen, und 
daraufhin habe die ganze Einrichtung jener Anſtalten gewirkt. Zunächſt 
habe dann infolge ſeines inneren Wertes das Griechiſche neben dem La- 
teiniſchen eine allerdings noch ſehr beſcheidene Stelle erhalten. Dann 
ſet namentlich im 18. Jahrhundert die Herrſchaft des Franzöſiſchen eine 
allgewaltige und für unſere heimiſche Kultur durchaus verderbliche ge- 
'worden. Von dieſer Herrſchaft habe Leſſing die deutſche Nation befreit, 
indem er fie immer wieder auf die Griechen und Engländer verwies, 
deren heiljamem Einfluß wir den Aufſchwung unſerer nationalen Litteratur
	        

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