Full text: Pädagogisches Archiv - 29.1887 (29)

= O3 == 
Bildung, die bedarf doch auch von dem realiſtiſchen Standpunkte der 
Gegenwart aus nicht ſo gewaltige Reformen, um das zu werden, was 
wir hier erſtreben, eine höhere Einheitsſchule für die Gegenwart, welche 
auch nicht durch Spaltung in den oberen Klaſſen Vater und Sohn noch 
um mindeſtens vier Jahre früher vor die ſchwierige Wahl des richtigen 
Beruſ8 des letzteren ſtellt. 
Tiedgen*): Redner iſt Mathematiker ; derſelbe erklärt, daß die 
Beſtrebungen ſcheitern müßten, wenn das Griechiſche eingeſchränkt werde. 
Die Zeit werde gewonnen, indem anderweitig im Lehrplane Erſparun- 
gen gemacht würden ; einer Überbürdung werde durch Verbeſſerung der 
Methode vorgebeugt. Doch ſei nur in den letzten drei Jahren Griechiſch 
zu lehren. Eine Gabelung ſei nicht notwendig. 
Dr. O. Fried, Direktor der Frankeſchen Stiftungen zu Halle, ſpricht 
jeine volle und dankbare Zuſtimmung zu den heute vernommenen Aus- 
, führungen de8 Herrn Hornemann aus, bekennt, voll und ganz auf 
dem Boden der Einheitsſchule zu ſtehen, und vertraut auf die Macht der 
in ihr liegenden Jdee und auf die innere Wahrheit derſelben, welche, 
wenn auch langſam, jich dennoch Bahn brechen und jchließlich auch ſiegen 
werde. Auch die Unhaltbarkeit der jeßigen Zuſtände werde von zwingen- 
der Einwirkung ſein ; für jene zeuge unter vielen anderen Dingen vor 
allem auch die immer häufiger wiederkehrende Erſcheinung, daß gerade 
die tüchtigſten Abiturienten der Realgymnaſien ſich nachträglich ein Reife- 
zeugnis auf dem Gymnaſium zu erwerben ſuchten, nicht nur der größeren 
Berechtigungen wegen, ſondern um ihre Bildung zu erweitern und zu 
- vervollſtändigen. 
Früher Anhänger der Bifurkationstheorie ſei er durch Hornemanns3 
Ausführungen anderer Meinung geworden; auch für diejenigen ſeiner 
Forderungen, welche die Vertreter des altklaſſiſchen Faches am wenigſten 
anmuten dürften, empfänglicher ſeit einem Wort des Oberſchulrats 
Albrecht in Straßburg. Danach hätte jede der in den höheren Schulen 
betriebenen Sprachen ein beſonderes x&groua und demgemäß auch eine 
beſondere Aufgabe in dem Unterricht zu pflegen und im Vergleich zu den 
übrigen gemeinſamen Aufgaben in den Vordergrund zu ſtellen. Und da 
jalle der lateiniſchen Sprache vorzugsweiſe die Pflege des logiſchen 
Elements und die grammatiſch-ſtiliſtiſche Seite, der griechiſchen 
vorzugöweije die Pflege des äſthetiſchen Element3 und die Einführung 
in Form und Gehalt der Lektüre, den neueren Sprachen 
vorzugsweije die Pflege der praktiſchen Seite, das Sprechen und 
-- *) Siehe Bemerkung auf Seite 50.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.