Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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ſo wird erzählt, nach England und hieß Abel. Die Engländer nannten 
ihn Ebel ; er ſchrieb fich Ebel, da ſprachen ſie Jbel; er ſchrieb Jbel, 
dann war's Aibel. Hätte er ſich aber auf den Standpunkt des Eng- 
länder8 geſtellt und Arbel geſchrieben, ſo hätte jeder Abel geſprochen. 
Dante nannte die deutſche bejahende Partikel „10“ ſtatt „ja“. Dies 
beweiſt, welchen Eindruck das Deutſche a auf italieniſche Ohren macht. 
Ein Engländer, der den Schaffner fragt, wie weit e8 nach Offenbach iſt, 
wird aus8gelacht, weil ex nach Affenbach fahren will. Die Franzoſen 
hören immer „wer do?" ſtatt „wer da ?". Das engliſche u in hut 
klingt deutſchen, ſkandinaviſchen und franzöſiſchen Ohren wie ö, das th 
wie ein „gegen die Vorderzähne gepreßtes 8", obwohl u mit ö, th mit 8 
ſehr wenig zu thun haben. Dieſe nationale „partielle Taub=- 
ſtummheit“" machte jich auch bei jenen älteren Naturfor- 
ſchern in nachteiliger Weiſe geltend. Sie iſt aber auch Jeßt, 
ſelbſt von hervorragenden Phonetikern, noh mcht überwunden, ſo daß 
bei aller Ausgleichung widerſtrebender Anſichten, wie ſie jetzt ſtattfindet, 
immer noch ein Reſt zurückbleibt, über den man ſich nicht einigen kann. 
Dennoch muß man ſich in der Wiſſenſchaft vom ſubjektiven Element 
lo8machen und vom nationalen zum ko8mopolitiſchen Standpunkt gelangen. 
Für den Phonetiker naturwiſſenſchaftlicher Richtung iſt die Erfor- 
ſchung der Entſtehung und des Klanges der Laute, aus denen die Sprache 
beſteht, Selbſtzweck: er hat die allgemeinen, grundlegenden 
Geſetze über Natur, Bildung und Verwertung der Sprach- 
laute feſtzuſtellen; ihm handelt e8 ſich um da8 Allgemeine, das 
Theoretiſche. So ſind die Arbeiten von Dr. F. Techmer*?) (Storm 
261--291), der zugleich Naturforſcher und Sprachforſcher war, darauf 
gerichtet, die Ergebniſſe der phonetiſchen Forſchung unter naturwiſſen- 
ſchaftliche Geſicht8punkte zu bringen. Die Darſtellung iſt ganz ſpeziell 
naturwiſſenſchaftlich, die Arbeiten als eine Einführung in die rein natur- 
wiſſenſchaftliche Seite der Phonetik wertvoll. 
Wenn der Naturforſcher die phyſiologiſchen und akuſtiſchen Be=- 
dingungen der Lautbildung im allgemeinen erforſcht hat, ſo iſt ſeine 
Aufgabe und ſein Intereſſe an der Phonetik erjchöpſt ; der Sprachforſcher 
hat dagegen die Aufgabe, die von dem Naturforſcher aufge- 
 
1) „Phonetik“, Leipzig 1880; „Naturwiſſenſchaftliche Analyſe und Syntheſe 
der hörbaren Sprache", „Zur Lautſchrift“ in der von Techmer begründeten, nach 
einem Tode (8. Januar 1891) eingegangenen, großartig angelegten „Inter- 
nationalen Zeitſchrift für allgemeine Sprachwiſſenſchaft“", B. I. und IV.
	        

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