Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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Nachdem der Verfaſſer einleitend auch die früheren, gegen das 
Turnen erhobenen Anklagen berührt hat, insbeſondere diejenigen des 
Amtörichter8 Hartwich, wendet er ſich gegen Hermann und führt in 
durchaus ſachlicher und maßvoller Weiſe den Nachweis, daß, wenn die 
Erfolge des Turnens hinter den etwa gehegten Erwartungen zurüc- 
geblieben ſind, die Schuld nicht dem Turnen an ſich zur Laſt gelegt 
werden darf, ſondern der geringen Zahl der Turnſtunden und dem noch 
großen Mangel an tüchtig geſchulten Lehrern. Auf die Abſtellung diejer 
Mängel ſei daher zuerſt hinzuwirken, dann werde auch da3 Spiel, das 
ſchon feit Gut8 Muth3 von allen bedeutenden Turnſchriftſtellern als eine 
notwendige Ergänzung der Leibe8übungen anerkannt ſei, von ſelbſt eine 
beſſere Pflege finden. 
Über die einzelnen Ausführungen kann hier um ſo eher hinweg- 
gegangen werden, da inzwiſchen bekanntlich innerhalb des aus Vertretern 
beider Richtungen zuſammengeſezten Zentralausſchuſjes in den Anſichten 
über die Stellung von Turnen und Spiel eine völlige Einigung erzielt 
worden iſt, die den Forderungen des Verfaſſer8 wie der übrigen Ver- 
teidiger des Turnens Rechnung trägt. Wie weit dieſe Eintracht ſchon 
gediehen iſt, erhellt aus der Thatſache, daß der Ausſchuß der deutſchen 
Turnerſchaft durch eine kürzlich an alle Vereine geſandte Umfrage über 
den Spielbetrieb die Beſtrebungen der Spielfreunde ſogar unterſtüßt. E8 
wird alfo von ſeiner Seite die auf die Einführung der Spiele gerichtete 
Bewegung al8 durchaus berechtigt angeſehen und eine ſchädigende Ein- 
wirkung derſelben auf das Turnen nicht befürchtet. 
Im Gegenſatze dazu zeigen die von dem Verfaſſer erhobenen Be- 
denken gegen die Möglichkeit einer au8gedehnteren Pflege des Spiels in 
der Schule, wie ſehr doch ein energiſcher Hinweis auf die Bedeutung 
der Turnſpiele von nöten war. Denn wenn er glaubt, e8 werde an Plaß 
mangeln, alle Schüler einer Anſtalt zugleich ſpielen zu laſſen, oder an 
Zeit, ſie klaſſenweiſe nacheinander auf den Spielplaß zu führen; wenn er 
ferner ungenügende Beaufſichtigung fürchtet mit der Folge, daß ſc<wäch- 
liche, unbeholfene und ſpielfaule Kinder ſich fernhalten; wenn von ihm 
endlich felbſt nach Beſeitigung dieſer Bedenken das Wetter als ein immer- 
währender Störenfried angeſehen wird, der wieder Befreiungsgejuche 
und allerhand andere Unzuträglichkeiten veranlaſſen werde: ſo kann man 
ſich doch des Gefühl8 nicht erwehren, als ob der Verfaſſer nur nach 
Gründen ſuche, mit denen er ſeine Abneigung gegen eine Erweiterung 
des Spielbetriebs bemänteln könne. Er verſchließt ſich eben, troßdem
	        

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