Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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Was nun insbeſondere den geographiſchen Unterricht betrifft, 
von dem der folgende Aufſaß eine Probe gibt, ſo iſt mein Hauptaugen- 
merk darauf gerichtet, dem Schüler nachzuweiſen, auf welchen Grund- 
bedingungen das Leben der einzelnen Völker beruht, was ihre wichtigſten 
Nahrungs8quellen ſind, in welchen Beziehungen die einzelnen Staaten zu 
einander ſtehen und wie im einzelnen die Zuſtände unſerer heutigen 
Staaten begründet jind im den natürlichen Verhältniſſen 
de38 Lande8, dem Charakter de38 betreffenden Volkes, ſeinen 
ſittlichen und religibſen Zuſtänden, jowie endlich in dem 
Weſen feiner Regierung. 
Damit iſt alſo nicht ein neuer Unterricht8zweig eingeführt, ſondern, 
was Jedes verſtändige geſchichtliche und geographiſche Lehrbuch in den 
wichtigſten Grundzügen enthält, iſt im kräftigeren Strichen, der erhöhten 
Wichtigkeit des Gegenſtandes entſprechend, hervorgehoben. Spanien habe 
ich um deswillen als Lehrprobe gewählt, weil diejes Land am lehr- 
reichſten zeigt, wie eine verkehrte Verwaltung den politi- 
ſchen und wirtſchaftlichen Untergang eine8 Landes herbei- 
führen muß; auf Vollſtändigkeit erhebe ich um ſo weniger Anjpruch, 
als ich, unſeren Lehrplänen entſprechend, den Stoff in der Unterſekunda 
durchgenommen habe. 
Die jſpamſche Halbinſel iſt von Frankreich durch das 
nur im Oſten und Weſten durch Päſſe überſchreitbare Lage. 
Pyrenäengebirge getrennt; im Nord-Weſten bildet das 
Flüßchen Bidaſſoa die Grenze beider Länder (vgl. Uhland „Die Bidaſſoa- 
brücke.) Auf allen anderen Seiten iſt die Halbinſel vom Meere um- 
geben, im Süden und Oſten vom Mittelmeer bi8 zur Straße von 
Gibraltar, die in den atlantiſchen Ozean hinüberführt. Somit iſt die 
Lage Spaniens für Seeſchiffahrt außerordentlich geeignet und bietet 
jowohl nach den Mittelmeerländern als auch nach allen Seiten der Welt, 
nach Afrika und Indien, nac<ß Amerika wie nach dem nördlichen Europa 
einen vortrefflichen Ausgangspunkt ; indeſſen werden durch die mangel- 
hafte Küſtenbildung, die wenig günſtige Häfen bietet, und durch die 
plumpe vierſchrötige Geſtalt de8 Landes, die eine gewiſſe Abgeſchloſſenheit 
der inneren Landesteile gegen außen wie auch infolge feiner Gebirgsbildung 
gegen einander zur Folge hat, dieje Vorteile entſchieden beeinträchtigt. *) 
 
1) Auf die Wichtigkeit der Lage, der. inneren und äußeren Geſtaltung, der natür- 
lichen Verkehr3wege eines Landes iſt in wirtſchaftlicher Hinſicht beſonderes Gewicht 
zu legen. Vergleiche hierin mit Spanien namentlich England und Griechenland. 
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