Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

-- 305 - 
nach, zu dem Chriſtus der pauliniſchen Briefe zu führen und was die 
höheren Klaſjen betrifft, fie zu lehren juchen, wie man die Bibel leſen 
muß, damit fie uns das werden kann, was fie den beſten Menſchen ver- 
ſchiedener Länder, Zeiten, Völker und Konfeſſionen geweſen iſt. Verſuch 
es doh -- du glaubſt nicht, wie ſchön das iſt! -- die Predigt 
Johanms 3. B., die Parabel vom barmherzigen Samariter und gleich 
darauf die Erzählung von Martha und Maria, dem reichen Jüngling 
-- und jo überall : Menſchengeſchichte im tiefſten Sinne und zugleich in 
ſaßlichſter Form! Wie willſt du denn eine tiefere Lebensauffaſſung 
bei deinen Schülern ander8 begründen als an der Hand dieſer Stellen ? 
Wo du zweifelſt, wo du Skrupel haſt, da8 meide einfach. 
Zn Sexta und Quinta läßt man ruhig lejen, was Legende iſt, um 
die religidſe Wahrheit, die auch für die Kleinen darin liegt, herauszu- 
heben. In Quarta mag ſich jeder ſelbſt aus dem Alten Teſtament ſeine 
Auswahl machen, im vorwißigen, vorlaut-unreifen Alter der Tertia aber 
hält man das Altteſtamentliche beſſer fern und führt die Knaben viel- 
mehr in die Reichtümer de8 Neuen Teſtaments =- Synoptiker, Apoſtel- 
geſchichte, Jakobusbrief = ein. 
Auch Nagels Hilf8buch will die ſämtlichen Zweige der Religions- 
lehre an die bibliſche Geſchichte anknüpfen, wenigſten8 dasjenige, was der 
neue Lehrplan an Gedächtmösſtoff für die Klaſſen bis einſchließlich Unter- 
jekunda fordert. Die für die unteren Klaſſen beſtimmten und durch 
größeren Druck gekeunzeichneten Geſchichten ſind, wie es für das Alter 
erfordert wird, im voller Ausführlichkeit mitgeteilt, die für die oberen 
hier und da zuſammengefaßt und verkürzt. In den Bemerkungen am 
Schluß findet man die Kernjprüche und den Hinweis auf Katechismus 
und Kirchenlieder, die im Anhang zugleich mit den ſchönſten Pſalmen, 
und anderen für die Kenntms der Bibel, der Reformation38geſchichte, des 
Kirchenjahres und der Gottesdienſtordnung unerläßlichen Beilagen ent- 
halten find. 
Ob es zwedmäßig war, dieſes große Material, das dem Schüler 
jahrelang die Bibel, den KatechiSmus ſamt den Erläuterungen, das 
Geſangbuch und die Reformations8geſchichte erſezen ſoll, in einen Band" 
zujammenzuſaſjen, iſt an ſich fraglich. Der Tertianer achtet ein Buch 
mc<t jonderlich, das er ſchon .in Sexta gebraucht hat. Ob ferner die 
Auswahl aus den alt= und neuteſtamentlichen Geſchichten nicht für die 
drei unteren Jahrgänge zu reich, für die drei oberen unzureichend iſt, 
wage ich micht zu entſcheiden. 
Pädagogiſches Archtv. Band XXXVI (5). 1894, 90
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.