Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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In der Vorrede fehlt eine Andeutung darüber, ob der Verſaſjer 
etwa von Tertia ab die Bibel an die Stelle der bibliſchen Geſchichten 
treten laſſen und jomit nur noch den Anhang des Hilfs8buchs benußen 
will. Iſt das der Fall, ſo hätte er im Hilf8buch ſehr vieles weglaſſen 
können, andernfall8 aber dürften die altteſtamentlichen Geſchichten micht 
ſo kurz über die herrlichſten Propheten, einen Jeſajas und Jeremias 
berichten, die neuteſtamentlichen nicht mit der Bekehrung Pauli ſchließen. 
Vielleicht aber hängt die ganze Anordnung mit dem beſonderen 
Lehrplan der preußiſchen Realſchulen zuſammen, den ich nicht kenne. 
In jedem Fall iſt dieſes Hilf8buch aus der Praxis eines tüchtigen und 
eifrigen Religions8lehrerx3 hervorgewachſen und ſehr wohl geeignet, den 
Unterricht, wie ex dermalen noch au den meiſten Anſtalten vorgeſchrieben 
iſt, zu vereinfachen und zu vertieſen, 
Gruber8 Repetitorium der Kirchengeſchichte gibt auf 25 Seiten in 
59 kurzen Abſchnitten alle wichtigen Angaben vom Tode de8 Stephanus 
bis zur preußiſchen Kirchenverfaſſung von 1876. Ohne irgend welche 
Parteinahme reiht e8 die Thatfachen klar und genau aneinander; aus- 
reichend für die Lehrerſeminar- und höhere Lehramt3prüfung, geſchweige 
denn für die Reifeprüfung an höheren Schulen. Daß man aber heute 
noch die Kenntnis aller dieſer kirchengeſchichtlichen Vorgänge mc<t nur 
von Theologen fordert, ſondern von allen, die auf eine abgeſchloſſene 
höhere Bildung Anſpruch machen, iſt ein deutlicher Beweis dafür, daß 
in unſeren höheren Schulen noch viel mehr konfeſſionelle Theologie als 
Religion gelehrt wird, daß noch lange nicht das praktiſche Chriſtentum 
das ſcholaſtiſche Dogmenweſen verdrängt hat. 
Baden-Vaden. E. Hermann. 
Zum deutſchen Unterricht. 
Die deutſ<e Nationallitteratur de8 neunzehnten Jahrhunderts. 
Von Lic. Dr. Friedrich Kir<hner, Profeſſor am königlichen Real- 
gymnaſium in Berlin. Heidelberg, Georg Weiß' Verlag. 1893. 
Gleich nach dem Erſcheinen der beiden erſten Hefte iſt bereits auf 
dieſes Werk aufmerkſam gemacht worden. Mit der ihm eigenen mlitäri- 
ſchen Pünktlichkeit hat der Verfaſſer die Arbeit gefördert und innerhalb 
eine38 halben Jahres glüklich zu Ende gebracht. Das Ganze iſt recht 
überſichtlich in 12 Kapitel geteilt, bei welchen zwar vorzugsweiſe die 
Zeitfolge zu grunde liegt, doch aber auch die innere Zuſammengehörigkeit 
ſoweit als möglich beachtet iſt. Auf die Romantiker, die Patrioten, die 

	        

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