Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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Schwaben folgen im vierten Kapitel die Dichter der dreißiger Jahre, die 
ſich ſonſt nicht gut unterbringen laſſen, Grillparzer, Immermann, Platen, 
Raupach, Grabbe, Müllner, Houwald ; dann das junge Deutjc<land, die 
politiſche Dichtung der Nevolution3zeit, der Neaktion, die Satiriker und 
Humoriſten, die Dichter de3 Volksleben8, die Neuromantik, der Reali8mus 
und der NaturaliSmus. Gewiß wird ſich gar mancher über den Plat 
wundern, der ihm hier angewieſen iſt; bei der außerordentlichen Schwierig- 
feit aber, die vieljeitigen Schriftſteller unſerer Zeit unter eine gemein- 
jame Rubrik zu bringen, jollte man darüber mit dem Verſfaſjer mcht 
rechten. Sich felbſt hat Fr. Kirc<ner den Neuromantikern zugeſellt und 
neben Martin Greif und Heinrich Vierordt ein Pläßchen gegönnt. Freund» 
i<haft und Liebe, ſo erzählt er uns, Natur und Vaterland, Forſchen und 
Wirken ſeien die Leitſterne jeine8 Leben8, und wenn er auch gelegentlich 
einmal weltſchmerzlich angehaucht jei, jo überwiege doch ein kräftiger 
Optimiömus als die Frucht vieljeitiger Studien. Das beſtätigt auch 
dieſe Litteraturgeſchichte. 
Der Verfaſſer geht im allgemeinen recht wohlwollend und mit einem 
geſunden Sinne für das Tüchtige, Dauerhafte und Nationale zu Werke. 
Die Lebensbeſchreibung der hervorragenden Perſonen ſtellt er voran und 
gibt dann eine oft recht glückliche Inhalt3angabe ihrer Hauptwerke, ohne 
den Leſer von vornherein durch ein fertiges Urteil gefangen zu nehmen. 
Tm einzelnen wird man manche Ausjtellungen machen können; wird 
manchen Namen (3. B. E. Ritter8haus, A. Träger) vermiſſen, andere 
zu hoch, andere zu gering geſchält finden (z. B. Bodenſtedt) ; im großen 
und ganzen aber iſt das Werk als eime willkommene Fortführung der 
Geſchichte unſerer Nationallitteratur bis auf die Gegenwart zu begrüßen. 
Abriß der deutſchen Litteraturgeſchichte. Von br. Otto Lyon. Dritte 
Auflage. Leipzig, Teubner. 1893. 
Vielfachen Wünſchen zu entſprechen, hat der Verfaſſer ſein kompen- 
divdjes Handbuch der deutſchen Sprache für höhere Schulen in drei Teilen 
geſondert heraus8gegeben. Dadurch wurde es ihm möglich, die Litteratur- 
geſchichte, den neuen Lehrplänen entjprechend, durch jſprachgeſchichtliche 
Abſchnitte zu erweitern. Daß auch die Ergebmſſe der neueſten For- 
jhungen überall nachgetragen und die Litteraturnachweiſe bis 1893 fort- 
geführt ſind, iſt bei dem Heraus8geber der Zeitſchrift für den deutſchen 
Unterricht jelbſtverſtändlich. Dabei iſt er indeſſen dem Grundſatz treu 
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