Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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bei dem Zug der Zeit würden auch andere Städte dahin gedrängt, die 
Schulen einzurichten, dann ſeien die Schwierigkeiten ſür den einzelnen 
beſeitigt. Die ganze Bewegung werde vom Käiſer getragen, es jei de8- 
halb wohl nicht zu beſorgen, daß die Schule nicht die Berechtigung em 
halten werde, auch nicht, daß die Stadt eine Schädigung erleide, er 
glaube vielmehr, daß die Stadt dabei ſpare. Im anderen Falle würden 
- wir bald dahin kommen, eine neue Realſchule bauen zu müſſen. Dieſe 
könne auf“ abſehbare Zeit geſpart werden. Er bitte, den Antrag Brüel 
abzulehnen; mehr zu ſagen über die Sache als heute, ſei nicht möglich, 
denn es lägen no< keine Erfahrungen vor. Eine große Kommune 
müſſe vorwärts marſchieren; er habe den Schritt Ram- 
dohr8 mit großer Freude begrüßt. Bedenken lägen nicht vor, ſich 
ſchon jeht über den Plan ſchlüſſig zu machen. 
Bürgervorſteher Winkelmann trat den Ausführungen des 
Stadtdirektor8 bei und bemerkte weiter, daß die Aufhebung der Vor- 
ſchule auch ſchon in der Schulkommiſſion beſprochen, aber nicht für 
empfehlen8wert gehalten ſei. 
Worthalter Juſtizrat Bojunga wünſchte die Frage der Vor- 
ſchule, als nicht mit der Sache zuſammenhängend, ausgeſchieden zu ſehen. 
Die Berechtigung anlangend, meinte Redner, man könne ſich beruhigen, 
wenn der Miniſter die Zuſicherung gebe. Man müſſe endlich einen- 
praktiſchen Verſuch machen. Welchen Erfolg das Zeugnis der 
Gymnaſialdirektoren haben werde, laſſe ſi< wohl voraus- 
ſehen; jeder Reform ſeien Bedenken entgegenzuſetzen, 
Direktor Ramdohr äußerte ſich noch darüber, daß er den Reform- 
ſtandpunkt ſchon ſeit 1886 vertreten habe, ſowie über die Schulverhält- 
niſſe in Skandinavien, wo das Syſtem ſchon ſeit längeren Jahren ein- 
geführt iſt. 
Senator Grote ſprach ſich zu Gunſten des Brüelſchen An- 
trages aus. 
Senator Wallbrecht war der Anſicht, daß das, was 
unſere Zeit erfordere, nicht auf den jehigen höheren Schulen 
erreicht werde; es lerne keiner engliſch und franzöſiſch ſprechen, er | 
halte dies aber für ſehr wichtig. Er empfahl, den beantragten 
Verſuch zu machen, ohne erſt die Direktoren der anderen 
Gymnaſien zu hören. 
Senator Dr. Mertens war wohl dem Verſuch geneigt, wollte aber 
auch für den Antrag Brüel ſtimmen. Das Experiment koſte Geld und
	        

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