Full text: Pädagogisches Archiv - 36.1894 (36)

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hauptſächlichſten Verbindungen zu berüdſichtigen, ebenſo die einfachſten 
Kryſtallformen und einzelne beſonder8 wichtige Mineralien. Für dieſe 
Anſtalten iſt demnach ein ausführlicher ſyſtematiſcher Lehrgang, welcher 
jämtliche Metalloide und Metalle eingehend behandelt, überhaupt nicht 
verwendbar. 
Der Rüdorff'ſche Grundriß der Chemie iſt ſomit im Sinne der 
neuen Lehrpläne ein ſehr praktiſches Lehrbuch für die Oberſekunda und 
die Prima der Realgymnaſien und Oberrealſchulen, nicht verwendbar 
dagegen iſt der Grundriß für den propädeutiſchen Kurſu8 der Unter- 
jekunda und für den damit gleichſtehenden Chemieunterricht der ſech8- 
jährigen Realſchulen. 
Der Grundriß der Mineralogie geht nach einer kurzen Ein- 
leitung und einigen niorphologiſchen Bemerkungen zu einer Beſchreibung 
der einzelnen Kryſtallſyſteme über, deren wichtigſte Formen durch recht 
gute Holzſchnitte veranſchaulicht ſind. Die darauf folgenden Bemerkungen 
über phyſikaliſche und <emiſche Eigenſchaften und über das Vorkommen 
der Mineralien ſind möglichſt kurz gehalten. Den Hauptteil des Buches 
von Seite 33 bis 96 bildet die Einzelbeſchreibung der wichtigeren 
Mineralien und Geſteine, welche nach der Reihenfolge des wiſſenſchaft- 
lichen Syſtems zuſammengeſtellt und in fnapper, klarer Sprache nach 
ihren wichtigſten Eigenſchaften gefennzeichnet ſind. 
Im Gegenſaß zu der ſtreng ſyſtematiſchen Behandlung der 
Mineralogie im Unterricht, wie ſie in Rüdorff8 Grundriß vorliegt, iſt 
in neuerer Zeit vielfach ein methodiſcher Lehrgang eingeſchlagen, 
3: B. in Prof. Bails Leitfaden der Mineralogie. Bail beginnt unter 
allen Umſtänden mit der Beſchreibung einzelner Mineralien, und dann 
erſt geht er zur Beſprechung eines Kryſtallſyſtems, der Härteſkala u. ſ. w. 
über. So werden 3. B. die Kryſtallformen des Alauns, des Stein- 
jalze8 und des Diamant8 am Mineral beobachtet und beſchrieben, bevor 
vom regulären Syſtem die Rede iſt. Auch die neuen Lehrpläne ſcheinen 
einer methodiſchen Behandlung des naturgeſchichtlichen Unterrichts den 
Vorzug zu geben, indem ſie vorſchreiben: „Das Streben der Lehrer 
muß ſtets darauf gerichtet ſein, die Schüler zur Beobachtung und Be- 
ichreibung einzelner Naturkörper anzuleiten und durch Vergleichung ver- 
wandter Formen zum Verſtändniſſe des Syſtems hinüberzuführen." --- 
Immerhin iſt nicht zu verkennen, daß die ältere, ſyſtematiſche Behandlungs- 
weiſe des mineralogiſchen Unterrichts unter den Lehrern noch recht viele 
Anhänger beſitzt, und daß ſich gerade Rüdorff'8 Grundriß der Mineralogie
	        

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