Full text: Pädagogisches Archiv - 53.1911 (53)

Der moderne Grammatikunterricht im Lateinischen, 
namentlich auf Reformschulen*) 
Von HEINRICH WERNER in Düren 
Von der alten Teilung des gesamten Grammatikstoffes in Formenlehre 
und Syntax Scheint der erste Teil sich als Formalismus gut zu charakteri- 
Sieren, ebenso bezeichnend gscheint das Wort Syntax für die alte gramma- 
tische Unterweisung über die gogenannte Kaguslehre zu gein. Die ererbte 
grammatische Terminologie, durch Übergetzung aus dem Griechischen ent- 
Standen und als golche vielleicht auch zweckdienlich, erscheint uns Deutschen 
aber als oberflächlich, weder das Wegen noch die Eigenart der lateinischen 
Sprache gegenüber der Muttersprache treffend; gie izt die äußerlichste, be- 
quemste und degshalb auch die gebräuchlichste. Demgegenüber ist heute der 
Kampf in der philologischen Wisgenschaft um das Wegen des Satzes ent- 
brannt.?) So muß jede Sprachlehre vor allem Satzlehre gein, und dieger Satz- 
lehre muß die Lehre von den einfachsten Gebilden des Satzes vorausgehen, 
die Laut-, Silben- und Wortlehre. Die Satzlehre gelbst zerfällt dann wieder in 
natürlich einfacher Weise in die Lehre von den Satzteilen, die aber nicht 
etwa aus den verschiedenen Wortarten, die unter dem gonderbaren Begriff 
von Redeteilen zusammengefaßt zu werden pflegen, bestehen, gondern die 
nach deutschsprachlicher Gewohnheit in die Lehre von Objekt, Umstand 
und Attribut zerfallen. Wie steht es nun mit der Lautlehre im heutigen 
Lateinunterricht? Trotz des hochentwickelten Standes der wissenschaftlichen 
Forschung ist, abgesehen von ihrer nebengächlichen Behandlung im An- 
hang z. B. bei der lateinischen Schulgrammatik von Wagener-Schma]lz8), 
- *) Vgl. auch in den Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum (Dezemberheft 1910) 
den Aufsatz: Zur historisch-genetischen Methode im Lateinunterricht. 
?) Vgl. dazu Paul, H., Prinzipien der Sprachgeschichte 8. 23. W. Wundt, Völker- 
psychologie, I. Band, Die "Sprache, II, 8. 245. Dagegen Sütterlin, Das Wegen der 
sprachlichen Gebilde, Kritische Bemerkungen zu Wundts Sprachpsychologie S. 151. 
*) Für die Praxis kommt hier am ersten in Betracht „Higstorische Lautlehre des Lateini- 
chen“ von M. Niedermann und E, Hermann,
	        

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