Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
86 Der Unterricht in den neueren Sprachen an der Oberrealschule. 
klaren gind, trotz allem, was darüber in den letzten 30 Jahren geschrieben 
worden ist. Es ist ja zum Glück in dem Methodenstreit Ruhe eingetreten, 
und ich bin der letzte, der ihn wieder anfachen möchte, aber über einige 
Grundfragen auf diesem Gebiet wird doch eine Augeinandersetzung und 
eine Verständigung, wenn möglich, erwüngcht gein. 
Weiter oben habe ich mir erlaubt auszuführen, daß das, was die Lebrpläne 
von uns fordern: Lektüre der wichtigsten Schriftsteller der letzten drei J ahr- 
hunderte und Übung im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der beiden 
fremden Sprachen bei der uns zur Verfügung gtehenden Zeit zu leisten nicht 
möglich ist. Eine Vermehrung der uns Neupbhilologen zustehenden Stunden- 
zahl, gei es auf Kosten anderer Fächer oder unter Erhöhung der Gesamt- 
Stundenzahl, halte ich ebenfalls für ausgeschlossen. Wir haben auf ungeren 
höheren Schulen schon, Soweit mir bekannt ist, mit die höchsten Stunden- 
zahlen, die in irgend einem Kulturland verlangt werden. Man kann wohl 
daran denken, gie herabzugetzen, gewiß aber nicht, sie zu erhöhen. Darüber 
gind wir uns alle einig. So kann im Grunde nur in Frage kommen, ob wir an 
den Zielleistungen festhalten wollen oder ob da eine Kinschränkung möglich 1st. 
Daß die Flemente der französischen und englischen Sprache gründlich be- 
festigt werden müsgen, daß dem Französischen in ungeren Schulen im be- 
gonderen die Aufgabe der sprachlich-grammatischen Schulung zufällt, darüber 
gind wir uns wohl alle einig, ebenso wie darüber, daß bei der Erlernung 
einer lebenden Sprache anders vorgegangen werden muß als beim Lateini- 
Schen und früher nach Ploetz. Es muß von der gesprochenen Sprache aus- 
gegangen werden, und es müsgen die Sprechübungen einen erheblichen Um- 
fang, auf der Unter- und Mittelstufe besonders, einnehmen. Welche anderen 
Übungen daneben zu treten haben, darüber mögen die Meinungen ausein- 
ander gehen, ich persönlich möchte weder auf die Übergsetzung aus der frem- 
den Sprache noch auf die Übersetzung in die fremde Sprache -- in einem 
gewisgen Umfange --- verzichten. Zwar glaube ich nicht, daß durch gie die 
Beherrschung des Französischen oder Englischen wesgentlich gefördert wird, 
aber es wird durch gie der Sonst nur zu leicht rein gedächtnismäßig er- 
folgenden Aneignung der fremden Sprache erfolgreich entgegengearbeitet; le 
fördern die Kingicht in das grammatische System. Ich glaube, daß auch 
mit der bisherigen Stundenzahl in dieger Richtung nicht unerheblich Besgeres 
als heute geleistet werden kann, begonders wenn der Stoff ungerer Lehr- 
bücher erheblich besechnitten, die Zahl ungerer Schüler kleiner und ihre Be- 
gabung größer geworden gein wird. Den einen Wunsch würde ich noch 
aussprechen, daß der Lesestoff der für die Oberreal- und Realschulen be- 
Stimmten und mit Rücksicht auf Sie zunächst ausgearbeiteten Lehrbücher 
Sehr gorgfältig ausgewählt werde nach Wortschatz und Kulturgebiet, in das 
gie einführen gollen, besonders auch mit Rücksicht auf die der Oberreal- 
Schule auf der Oberstufe gestellte Aufgabe, und damit auf das Ziel ungeres 
Unterrichts überhaupt.
	        

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