Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
90 Der Unterricht in den neueren Sprachen an der Oberrealschule. 
Schüler einführen in die Kultur ungerer beiden Nachbarvölker wäh- 
rend der letzten drei Jahrhunderte. Das zetzt voraus einmal die 
Kenntnis ihrer gegschichtlichen Entwicklung. Die wird in etwas vermittelt 
durch den Geschichtsunterricht, der freilich erst im letzten Viertel der 
Unterprima an die Periode kommt, mit der wir beginnen müssen. Wir 
werden also nicht warten können, bis der Geschichtskollege 80weit ist, zu- 
mal er diesen Dingen nicht allzuviel Zeit widmen kann, gondern werden mit 
ungerer Einführung früher beginnen müsgen, s8chon in Obersekunda. -Drin- 
gend erwünscht ist aber, daß der Gegchichtslehrer auf die historische Lek- 
türe in den neueren Sprachen Rücksicht nimmt und gie für geinen Unter- 
richt verwertet, damit der Zusammenhang zwischen den einzelnen Fächern 
mehr hergestellt wird. Einer systematischen Durchnahme der französischen 
oder englischen Gegschichte etwa geit 1550 oder 1600 würde ich widerraten, 
denn dann kommt man leicht dazu, einen verwäsggerten Historiker nach Art 
von Chambers zu wählen; ratsamer erscheint mir, einige Höhepunkte der 
geschichtlichen Entwicklung herauszugreifen, also im Franzögischen das Zeit- 
alter Ludwigs XIV, die Aufklärungszeit, die Revolution, Napolöon 1. und, 
bleibt Zeit, das dritte Kaiserreich, im Englischen das Zeitalter der Königin 
Elisabeth, Cromwell, die Revolution von 1688, England etwa um 1770, 
das Zeitalter der Königin Viktoria. Und zwar muß die Kriegsgeschichte 
durchaus zurücktreten, die Schilderung der Zustände dagegen im Vorder- 
grund stehen. Ganz von gelbst versteht es Sich meines Erachtens, daß diese 
Lektüre bistorisch angeordnet Sein muß. Wie weit ungere heute vorhande- 
nen Schulausgaben diese Zeitabschnitte Schon behandeln und in geeigneten 
Texten behandeln, steht ja dahin; es Scheint mir aber nicht unnötig, einmal 
dieses Ziel überhaupt aufzustellen, die Ausgaben werden dann gschon folgen. 
Daneben hat die Einführung in die franzögische und englische Literatur 
herzugehen. Niemand unter uns wird wohl mehr dafür eintreten, daß die 
fremde Literaturgeschichte eingehend dargestellt wird, wie es in ungerer 
Schulzeit wenigstens im Franzögsischen der Fall war; aber Sicher werden wir 
darin übereinstimmen, daß die Schüler auf der Oberstufe einen kurzen Ab- 
riß der Geschichte der franzögischen und englischen Sprache erhalten und 
zwar nicht erst in Oberprima, und daß die Hauptabschnitte in der Gegchichte 
der Literatur ihnen kurz charakterisiert werden, am besten im Anschluß an 
ein bestimmtes Werk. Sie dürfen auch etwas von Chaucer und von Rabe- 
Jais hören (vom Beowulf und Rolandslied wie von Chrestien de Troyes hören 
Sie im Deutschen), Sicher müssgen gie von Corneille, Racine, Moliäre etwas 
erfahren. Ich will die Zahl der Dichter und ihre Werke, die hier in Be- 
tracht kommen, nicht aufzählen, nur das hervorheben, daß diese Lektüre zich 
möglichst an den Abschnitt anschließen muß, der in der geschichtlichen Lek- 
türe behandelt wurde. 30 wird der Cid des Corneille, der mir immer noch 
von geinen Werken für uns am geeignetsten erscheint, in O II zu legen gein, 
in UI Avare und die Femmes Savantes neben den Pr6cieuses, in Ober-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.