Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Rundschau 
Die Leistungen der höheren Lehranstalten in Preußen im Lichte der 
Statistik. Unter diesem Titel hat Herr Gymnasgialdirektor Huckert in Posen im 
Verlage von Quelle & Meyer in Leipzig ein Buch erscheinen lassen, das in einer 
Zeit, in der Berufene und Unberufene gich in Anklagen und Verbesserungsvorschlägen 
überbieten, die dem höheren Schulwesen gewidmet sind, geine ganz besondere Be- 
deutung hat. Herr Direktor Huckert, Seit Jahren auch durch Seine Sstatistischen 
Arbeiten auf diesem Gebiete bekannt, ist in dem Buche den Anklagen gegen die 
höheren Schulen bis ins einzelne nachgegangen und hat sie durch die Statistik be- 
leuchtet. Er ist dabei zu Regultaten gekommen, an denen niemand mehr vorüber 
gehen darf, der zich erpstlich mit den Fragen beschäftigen will. 
Der Inhalt des Buches zerfällt in gechs Kapitel, die Sich verbreiten über den Stetig 
geringer werdenden Abgang der Schüler vom Gymnasium, über die wahren Gründe 
des Steigens und Fallens der Frequenz der höheren Lehranstalten und der Universi- 
täten, über den Ausfall der Prüfungen für das höhere Lehramt sowie die Regultate 
der Prüfungen bei anderen Berufen und endlich über die Verschiedenheit in den 
Leistungen der Gymnasien und der Realanstalten. Alle diese weitschichtigen Fragen 
werden mit reichem statistisSchen Material unter dem Gesichtswinkel ihres Einflusses 
auf die Leistungen der höheren Schulen, insbesondere der Gymnagien, behandelt, 
und es wird der Beweis geführt, daß Professor Hillebrandt die statistischen Daten 
Stets falsch interpretiert hat. 
Bekanntlich haben in erster Linie die Herren Direktor Mülder, Professor v. Below, 
und Professor Hillebrandt und nach ihnen eine große Zahl anderer behauptet, 
die Erneuerung der Lehrpläne für die höheren Schulen Preußens aus dem 
Jahre 1892 und 1901 hätten die Anforderungen an die Schüler in unerlaubtem 
Maße verringert, Dadurch soll ein großer Ballast von unfähigen Schülern gerade 
auf dem Gymnasium festgehalten worden sein, der früher schon in den Unter- oder 
Mittelklassgen der höheren Anforderungen wegen die Schule verlassen hätte. Die 
Herren glaubten die Bestätigung ihrer Meinung in dem tatsächlich verminderten Ab- 
gange von Schülern des Gymnasiums erblicken zu dürfen, der bei Beginn der 90 er Jahre 
gich zeigte. Professor Hillebrandt bebauptete außerdem in Seiner Herrenbausrede 
am 12. Mai 1912 und in Zeitungsartikeln, die Reifeprüfungsordnung aus den 
Jahren 1901/3 hätte die Anforderungen an die Abiturienten 80 reduziert, daß zeit- 
dem diese Prüfung Schüler machen könnten, die es unter den früheren Verhältnissen 
nicht gewagt hätten, sich auch nur zu melden. Das Gymnagium lieferte infolge- 
dessecn in neuerer Zeit eine große Zahl unfähiger Studenten an die Univerzsitäten 
ab und trage die Schuld an der Überfüllung der Universitäten mit Proletariern und 
Banausen. Damit aber trage diess Reduzierung der Anforderungen auch die Schuld 
an der Überfüllung der gelehrten Berufsarten. Auch zum Beweise dieser Behauptung 
hatte Herr Professor Hillebrandt gich auf die Statistik berufen und wies auf die 
Stetige Zunahme der mangelhaften Prüfungsergebnisse bei den Juristen (Referendar-
	        

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