Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Rundschau 123 
scheiden aus dem Amte, 50 daß in einigen Jahren diegser Titel für die noch im 
Lehramt tätigen Direktoren ganz aus der Welt geschafft Sein wird. Dem steht die 
Tatsache gegenüber, daß der Titel „Geh. Justizrat“ in den letzten Jahren in Sehr 
verstärktem Maße an die im Amt befindlichen höheren Justizbeamten verliehen worden 
iet. So führen von den Oberlandesgerichtsräten 22 Prozent, von den Ersten Staats- 
anwälten 31 Prozent und unter den Landgerichtsdirektoren 28 Prozent den Titel 
„Geh. Justizrat“. Unter den Staatsanwälten, den Land- und Amtsrichtern gibt es 
3,2 Prozent Gehb. Justizräte; an ProfesSsoren und Oberlehrer, die ihnen „grundsätzlich 
gleichgestellt“ Sind, ist der Geheimratstitel noch niemals verliehen worden! Auch 
wer der Titelfrages an Sich nicht die Bedeutung zugesteht, die 8ie im öffentlichen 
Leben in Preußen nun einmal bat, wird zugeben müssen, daß diese Zahlen ein 
arges Mißverhältnis beleuchten. 
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Zur Frage der Neuordnung der Disziplinarverhältnisse für die nicht- 
richterlichen Staatsbeamten in Preußen veröffentlicht Professor Dr. Bünger, 
Görlitz, in den „Grenzboten“ einen leSenswerten Aufsatz. Er begründet eingehend 
folgende Wünsche, die sich inhaltlich mit den von dem Vereinsverband akademisch 
gebildeter Lehrer Deutschlands und der Delegierten - Konferenz der preußischen 
Philologenvereine angenommenen Thesen decken: 
1. Die Neuregelung kann nicht für einzelne Berufsklassen gesondert erstrebt 
werden, Sondern muß gleichzeitig für alle Berufe erfolgen. 
9, In Streitfällen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen ist den Beteiligten 
grundsätzlich volle Kenntnis über das gesamte zur Beurteilung des vorliegenden 
Falles in Frage kommende Material zu geben, insbesondere 1st als0 auch dem Unter- 
gebenen Einblick in die Berichte der Vorgesetzten zu gewähren. | 
3. Liegt die Gefahr der Verdunkelung des Tatbestandes nicht vor, 80 ist gleich bei 
der Voruntersuchung dem Beschuldigten genau anzugeben, was ihm vorgeworfen wird. 
4. Gegen die Entscheidung der vorgegetzten Behörde muß Berufung bei Disziplinar- 
gerichten eingelegt werden können, die allein auch auf Strafversetzung und Dienst- 
entlassung erkennen dürfen. 
5. In den Disziplinargerichten ist neben den richterlichen Beisitzern auch Standes- 
und Berufsangehörigen des Beklagten Sitz und Stimme zu geben. 
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Pflichtstundenzahl der Oberlehrer. Angesichts der in mehreren Bundesstaaten 
zur Diskussion Stehenden Frage der Zahl der Pflichtstunden Scheint ein Vorschlag 
beachtenswert, den die Freiberger Ortsgruppe des Sächsischen Gymnasial- 
lehrervereins gemacht hat. Darin wird der Gedanke entwickelt, man Solle die 
für die richtige Behandlung dieser Frage notwendige Grundlage dadurch schaffen, 
daß man einwandfrei feststelle, wieviel Zeit der Oberlehrer außer den Schulstunden 
für geinen Beruf verwenden muß; denn mit Recht wird bemerkt, daß eine Standes- 
organigation „gegenüber der Regierung, dem Landtag, der Öffentlichkeit unsere berech- 
tigten Wünsche nur dann erfolgreich vertreten kann“, wenn gie Sich auf unbedingt 
zuverläsSiges Material zu stützen vermag. So wird denn vorgeschlagen, daß an jeder 
Anstalt einiges Kollegen („möglichst verschiedener Fakultäten und mindestens ein 
Ordinarius“) „ein Jahr lang unter Angabe der erforderlichen Zeit alles das auf- 
zeichnen, was beruflich für die Schule außer der unterrichtlichen Tätigkeit zu leisten 
iet.“ Für die Einzelheiten des Vorschlags vgl. Deutsch. Philologenblatt 1912, Nr. 45.
	        

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