Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
1592 Zweiter deutscher Kongreß für Jugendbildung und Jugendkunde zu München. 
gie wirklich eingeitig manuelle Begabung ist, gehört ihre Pflege nicht in die 
allgemein bildenden Schulen; nicht in die Volkeschule, die beispielsweise 
keine Handwerker heranzubilden hat, noch weniger in die höhere Schule, in 
der das Geistig-Spekulative im weitesten Sinne tragendes Moment bleiben 
muß. Gegen einen Werkstattunterricht auf allen Stufen begonders für die 
manuell Hochbegabten ist nichts einzuwenden, solange er zwan glos und 
in gegebenen Grenzen neben der allgemein bildenden Schule bestehbt. 
Nun bat gicher der manuelle Unterricht auch geine Bedeutung als Hilfs- 
moment für die geelische Entwicklung im allgemeinen, das wird man Ker- 
gchensteiner ohne weiteres zugeben. Und ingsofern, aber eben Dur insofern 
hat das Manuelle auch geine Bedeutung im Unterricht: als methodische 
Hilfskraft. Im wesgentlichen wird die manuelle Tätigkeit mithelfen können 
bei der Entwicklung psychischer Grundkräfte, beispielsweise bei der einfachen 
Assimilation und Differenzierung, bei der einfachen assoziativen Synthese 
und Begriffsbildung. Ich kann mir schlechterdings nicht denken, wie bei 
kombinierten und verwickelten Prozessen, 80 beim spekulativen Denken, das 
Manuelle von wesentlicher Bedeutung sein kann. Dann gehört aber die 
mannelle Tätigkeit, soweit eie als methodische Hilfskraft im Unterricht 
auftritt, in der Hauptsache in die Unterstufe der Volksschule; und gie darf 
auf anderen Unterrichtsstufen, insbesondere auch auf der Unterstufe der 
höheren Schule nur in gebr geringem Maße auftreten und immer nur da, wo 
gich ein Zurückgehen auf einfache Prozesse notwendig macht. Nun ist mir 
kürzlich entgegengehalten worden, Kerschensteiner denke bei den „prak- 
tischen, technischen und manuellen Tätigkeiten“, 80weit es eich um die höheren 
Stufen der Volksschule und um die höhere Schule handele, nicht an die 
eigentliche Tätigkeit der Hand; er wolle nur nur das Arbeitsprinzip auf 
allen Stufen der Schule zur Durchfübrung bringen, für jene höheren Stufen 
gei es im geistigen Sinne zu verstehen. Demgegenüber führe ich zwei Stellen 
aus dem Münchner Vorbericht an. Kerschensteiner gagt: „Es steht außer 
allem Zweifel, daß die praktischen, technischen und manuellen Tätigkeiten 
die ursprünglichen Tätigkeiten des Menschen sind und daß die Neigungen 
zu golchen Tätigkeiten heute noch im Kinde, im Knaben und Mädchen, die 
vorwiegenden gind.“ „Es ist ein unerläßliches Erfordernis, daß der natür- 
lichen Neigung aller Kinder unter 14 Jahren zu ausgesprochen manu- 
eller Arbeit weit mehr als bisher durch Einführung von geeignetem W erk- 
gtattunterricht Rechnung getragen wird.“ (Sperrungen vom Verf.!) Ich 
weige ferner auf das bereits oben erwähnte technisch-konstruktive Gymnasium 
hin, das ausdrücklich auf reichlichem Werkstattunterricht aufbaut. Daß das 
Arbeitsprinzip, im geistigen Sinn verstanden, auch auf die höheren Schnlen 
und auf diese in betonter Weise anzuwenden ist, kann keinem Zweifel be- 
gegnen. Hier liegt für die höhere Schule das Berechtigte an der Idee der 
Arbeitsschule, wenn auch freilich in diesem Sinn die Arbeitsschule nur eine 
Zugammenfasgung und stärkere Betonung alter psychologisch-pädagogischer
	        

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