Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Zweiter deutscher Kopgreß für Jugendbildung und Jugendkunde zu München. 159 
gewandt, fand in München wenig Anhang. Es fehlte nicht an Verguchen, 
die Unterschiede der Lehrerbildung zu verwischen und auf der einen Seite 
die Ausbildung des Volksschullehrers in unnatürlicher Weise zu belasten, 
auf der anderen Seite auch den Lehrer der höheren Schule in das Seiner 
Vorbildung wenig adäquate Gebiet der Volksschule hineinzudrängen. Diese 
Verguche waren verschiedener Art, verschieden weitgehend; sie zeigten auch 
vergehiedene, z. T. überhaupt keine wirkliche Begründung --- wie das Schlag- 
wort, von dem wir ausgingen. Wegen all dieser Verschiedenheit hielt ich es 
für zweckmäßig, mich zunächst mit der Frage im allgemeinen augeinander- 
zusetzen. Ich will auch nicht weiter auf alle jene Anschauungen eingehen, 
die das Seminar. mit Gymnasgium usw. zusammenwerfen wollen, ja es am 
liebsten Streichen möchten. Ich will nur noch zu den Seyfertschen Forde- 
rungen Stellung nehmen und gie an meinen Ergebnisgen mesgen. 
Die Vorbildung auf das Lehramt an der Volksschule 
und die Seyfertschen Forderungen. 
Ich spreche zunächst vom fünfjährigen Seminar, nach Seyfert dem eigent- 
lichen Seminar. Eine Vertiefung des Seminarunterrichts ist auch vom Stand- 
punkte der Volkeschule aus begrüßenswert, denn eine Lehrkraft muß ihren 
Zöglingen geistig überlegen Sein. Daß das Nationale im Vordergrund stehen, 
das Fremdsprachliche zurücktreten soll, ist dem Zweck des Seminars durch- 
aus dienlich. Umso besger, wenn gich das Seminar endlich wieder auf geine 
Kigenart besinnt und alles Wettrüsten unterläßt. In geiner Eigenart liegt 
Seine Stärke. Aber gerade deshalb muß ich den Seyfertschen Vorschlag ab- 
lehnen, die methodische Fachschulung aus dem „eigentlichen Seminar“ ganz 
zu entfernen, Dafür, daß die psychologischen und pbilogophischen Übungen, 
die Seyfert für das fünfjährige Seminar wüngcht, nicht gobald als möglich 
für die Fachbildung nutzbar gemacht werden, finde ich keinen in der Sache 
liegenden Grund; ich kam im vorigen Abschnitt vom Zweck des Seminars 
aus zur entgegengegetzten Forderung. Auch diege fachliche Ausbildung kann 
zur wisgengchaftlichen Vertiefung der Seminarerziehung Sehr wohl beitragen, 
Sie: braucht nicht eingeitig auf methodische Technik abzuzielen. Die Zeit 
dazu wird man gicher, wie bigher, finden, wenn man auf Stoffgebiete, die für 
das Lehramt an der Volksschule keine unmittelbare Bedeutung haben (Latein 
USW.), nur ingoweit eingeht, als dies eine vielseitige Vertiefung der Seminar- 
bildung erfordert; vor allem aber, wenn man das 6. und 7. Seminarjahr dem 
Gegamtgeminar organisch eingliedert. Damit komme ich zur exakſwisgen- 
Schaftlichen Akademie Seyſferts. Diese 8oll nur im Notfall als zweijähriger 
Aufbau auf das fünfjährige Seminar aufgesgetzt werden. Eigentlich gehört 
Sie nach geiner Meinung an die Univerzität, und gie oll sich dort zur gelb- 
Ständigen Fakultät auswachsen. Die erste Aufgabe dieger Akademie ist die 
Einführung in das „exaktwisgenschaftliche Arbeiten“ „in einigen vom Semi-
	        

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