Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Gymnagzium und Lehrerseminar nicht gleichartig, nicht gleichwertig usw. 167 
methodischen Bemerkungen gind ebenfalls durchweg dieselben. Und dennoch 
verzeichnet die höhere Schule begondere Leistungen: die antike Metrik, 
griechische Dramen in UÜbergetzungen -- das Seminar hat dafür nur Ab- 
Schnitte aus Homer --, Abschnitte aus Laokoon und der Hamburgischen 
Dramaturgie -- im Seminar heißt es: diese bilden nicht Gegenstand der Lek- 
türe -- Iphigenie und Tass80 -- gie fehlen im Seminar, vielleicht gsind zie 
allerdings „nach den besonderen Verbhältnisgen der einzelnen Angtalten“ zu- 
lässig -- mittelhochdeutsche Texte und Grammatik, Shakespearesche Dramen 
-- das Seminar giebt nur ein Drama vor. 
Die Leistungen der höheren Schulen gind also nicht niedriger 
einzuschätzen. Das Manko an Unterrichtsstunden wird, dagegen kann 
kein Bedenken aufkommen, durch den Betrieb der Fremdsprachen ausgeglichen. 
In der Tat steht das Deutsche im Mittelpunkt der höheren Schule, für das 
alle Fächer, besonders aber die Fremdsprachen, einen Gewinn abgeben: Die 
fremdsprachliche Lektüre bietet Aufgaben für die gchriftlichen Übungen im 
Deutschen, sie soll den mündlichen deutschen Ausdruck pflegen, eie nimmt 
den Schüler in besondere „geistige Zucht“, weil er wirklich gutes Deutsch 
hervorbringen und doch die Eigenart des fremden Schriftstellers wieder- 
Spiegeln muß. 
In der Geschichte dagegen haben die höheren Schulen einen be- 
deutenden Vorzug. Ihnen stehen 15 Stunden zur Verfügung, während 
das Seminar nur 13 hat. Dies Mehr an Stunden kommt begsonders der alten 
Gegschichte zugute. Hier verzeichnet das Präparandum die „eingehender“ 
zu behandelnden Abgchnitte aus der alten Gegschichte, und es ist bezeichnend, 
daß diese nur in der obersten Präparandenklasse zur Behandlung kommt. 
Darum heißt es auch im Lehrziel: das Hauptgewicht fällt auf die vaterlän- 
dische Gegschichte, namentlich auf die der neueren Zeit. 
Demnach dürfen wir wohl auf Zustimmung rechnen, wenn wir nun fest- 
stellen, daß die Leistungen in den ethischen Fächern auf den vier 
Schulen im ganzen gleich gind. 
Die Leistungen gind auch in bezug auf den wigsgenschaftlichen Wert 
gleich. Wir betonen dies und führen zum Erweise folgendes aus den me- 
thodischen Anweisungen an. 
In der Religion ist das mechanische Auswendiglernen beschränkt; eine 
ausgedehnte biblische Lektüre wird betrieben, die in eine zusammenfasgende 
Darstellung der Heilsökonomie ausläuft; desgleichen wird in der Kirchen- 
geschichte die Entwickelung, die äußere und die innere, aufgezeigt. Im 
Deutschen ist ebenfalls das Auswendiglernen beschränkt; die Grundbedingungen 
einer lautrichtigen und lautschönen Aussprache werden gelehrt; eine gehr 
ausgedehnte Lektüre, auch Privatlektüre ist vorgegeben, die nicht bloß die 
Kenntnisse erweitert, sondern auch den Geschmack bildet, ja zu erfolgreicher 
gelbständiger Lektüre befähigen soll. Und in der Gegchichte wird Wert auf 
die Erfassung des pragmatischen Zusammenhangs gelegt, auf die Befähigung,
	        

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