Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
174 Gymnazium und Lehrerseminar nicht gleichartig, nicht gleichwertig usw. 
weitert wird.“ Allein gie räumt doch auch ein, daß „der fremdsprachliche 
Unterricht für die Gestaltung des Seminars nicht in erster Linie ausschlag- 
gebend sein kann“.!) Das heißt doch, daß man das Bildunggziel der Knaben- 
Schulen, 80weit es auf Sprachen beruht, sich nicht zu eigen machen will. 
Dann bleibt aber die Fremdsprache ein disparater Lehrgegenstand, der die 
Kräfte der Seminaristen unnötig zerstreut, 
Auch Seyfert wünscht die Kinführung von zwei Fremdsprachen.?) „Für 
jetzt kann es sich nur um Franzögisch und Latein handeln“, „wenn das 
Seminar gich unter den heutigen Anschauungen als höhere Schule behaupten 
will“. Allein abgesehen davon, daß es keine höhere Schule gibt, welche ihre 
Sprachliche Bildung auf diese beiden gründete, 80 daß also die Gleichberech- 
tigung doch zweifelhaft bleiben würde, will auch Seyfert den Sprachen 
nicht die Stellung einräumen, die ihnen auf den höheren Schulen zukommt. 
Er teilt die Angicht nicht, daß ihnen „ein ganz besonderer formaler Bildungs- 
wert zuerkannt werden müsse“. Er würde es gsogar „bedauern, wenn die 
fremden Sprachen einen zu breiten Raum 'im Seminar beanspruchen, wenn 
gie die Rolle spielen gollten, die gie in den andern höhern Schulen gpielen 
Sollten“. Und er stimmt mit der Sächgischen Lehrerschaft überein, wenn er 
Sagt: „Noch mehr wäre es zu beklagen, wenn eine Reform des Seminars 
auf die Sprachen gegründet werden gollte.“ Darum Sollten die Sprachen 
„im Denken, Sorgen und Arbeiten der Schüler“ nicht die althergebrachte 
Rolle spielen. Wenn dennoch Seyfert die Lehrziele ziemlich hoch einsgetzt, 
80 bleibt das Bedenken, daß diegse nicht erreicht werden, 
Seyfert will dem antiken Bildungsideal auch gar nicht nahekommen. 
„Latein ist nun einmal das approbierte Kennzeichen der höheren Schule“ 
und für wisgengchaftliches Weiterarbeiten unentbehrlich. Und wenn er gagt: 
„die Auswahl der zu lehrenden Stoffe kann nur mäßig groß gein“, werden 
wir daraus gerade den Abstand ermesgen, der zwischen geinen Vorgschlägen 
und ungeren Angichten besteht. 
In der Tat ist das Bildungsideal, welches im Sinne Seyferts die Gleich- 
wertigkeit des Seminars herstellen goll, ein ganz anderes als auf den höheren 
Knabenschulen. Wir wollen jedoch anmerken, daß nach Seyfert der Über- 
gang vom Seminar auf die Univergität durch die Pädagogische Akademie 
Stattfindet und der Univergitätsbeguch nur denen empfohlen wird, die zich 
weiter vertiefen wollen. Wir würden deghalb geine Reformpläne hier uner- 
wähnt lasgen können, wenn er nicht erklärte, daß die im Seminar gewonnene 
Bildung keinesfalls im Werte hinter der im Gymnagium oder im Realgym- 
nagium gewährten zurückstehen dürfe, auch wenn gie mit jener nicht iden- 
tisch ist“. Seyfert will einen neuen Schultypus schaffen, er trennt die Be- 
rufsbildung von der allgemeinen und stellt als das Ideal der letzteren das 
der Pergsönlichkeit fest im Sinne des deutschnationalen Prinzips. So stellt 
!) 8. 19, 139. 
?) Vorschläge zur Reform der Lehrerbildung. Leipzig 1905. 8.8, 51.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.