Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Gymnasium und Lehrerzeminar nicht gleichartig, nicht gleichwertig usw. 177 
also das Gehalt dieger Stellen entsprechend erhöht werden, dann dürfte es 
in der Tat berechtigt Sein, „Grenzen der Rentabilität yon Volksschulausgaben“ 
festzugetzen.t) 
Allerdings kann, wiederum mit Paulsen, nicht geleugnet werden, daß für 
einzelne Lehrer ein Bedürfnis da ist, ihre Seminarbildung zu erweitern. 
Paulsen denkt an die Zunahme der städtischen Schulen und die Erweiterung 
Ihrer Unterrichtgsziele, an die Fortbildungs- und Gewerbegchulen, an die Not- 
wendigkeit, die Seminarlehrer gründlicher vorzubilden, endlich auch an die 
berechtigte Forderung fachmännischer Schulaufsicht. In Rückgicht hierauf 
will er einzelnen Bewerbern die Univergität erschließen.?) 
In der Tat dürfte dies die natürlichste Lösung gein. Man wird der ein- 
zelnen wegen kein höheres Seminar, etwa ein Oberlyzeum für Männer, ge- 
brauchen. Dies hätte vor allem den Nachteil, daß es die Lehrerbildung von 
Anfang an der Einheitlichkeit beraubte. Außerdem fehlt auch ihm die An- 
erkennung als gleichberechtigter Anstalt, die ihre Zöglinge zum Univergitäts- 
Studium entläßt, So kommen auch wir auf die Empfehlung der preußischen 
Kurge hinaus, welche der Weiterbildung der Lehrer zum Mittelschul- und 
Rektoratsexamen, zur Anstellung als Seminarlehrer und Schulaufsichtsbeamter 
dienen. Wir begrüßen desbalb den nationalliberalen Antrag von Campe- 
Iderhoff im preußischen Abgeordnetenhause (Dezember 1912), der die Re- 
gierung erguchte; Einrichtungen zu treffen, durch welche Volksschullehrer 
eine bessere Möglichkeit zu einer wisgenschaftlichen Fortbildung an preußi- 
Schen Universitäten zum Zwecke der Vorbereitung auf die Mittelschullehrer- 
prüfung und auf die Stellung als Schulleiter und Schulaufsichtsbeamte er- 
langen. Der Antrag ging von dem Standpunkt aus, daß das Verlangen der 
Lehrerschaft nach Vertiefung ihrer Ausbildung als berechtigt anzuerkennen 
Sei, daß man für den wisgengchaftlichen Unterricht an den Seminaren wisgen- 
Schaftlich vorgebildete Lehrer gebrauche, daß die Seminarlehrer den Betrieb 
der Elementarschule kennen. Man erklärte, daß die vertiefte Vorbildung 
auch an Univergitäten geschehen könne, daß aber die 80 vorgebildeten Lehrer 
nur die Berechtigung für den höheren Dienst im Elementarschulwegen er- 
hielten. So wollte man das berechtigte Verlangen der Lehrer nach einer 
Laufbahn befriedigen, zugleich auch verhüten, daß ein Abströmen aus dem 
Volksschuldienst stattfindet. 
Es ist ja bekannt, daß die Regierung demgegenüber ihre Kurze verteidigte, 
und daß man im Landtag nur den Antrag zur Annahme brachte, daß die 
bestehenden Kurge ausgebaut, 80 ausgebaut würden, daß Volksschullehrer zu 
einer Solchen akademischen Ausbildung gelangen, welche gie befähigt, jene 
genannten Stellen zu bekleiden. Es goll auch die Gelegenheit zur Vorberei- 
tung auf die Mittelschullehrerprüfung vermehrt werden. 
!) Eccartus, a. a. O. 8. 94, 96, 132. 
?) Paulsen, a. 3. O0. 8. 416, 
Pädagogisches Archiv. 12
	        

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