Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Zur Konzentration und harmonischen Bildung. 181 
in folgender Weise zusammen, indem er zugleich eine Wüngche über die 
Art der Abhilfe beifügt. 
1. Das gegenwärtige Vielerlei der Unterrichtsgegenstände hindert die Er- 
reichung einer tüchtigen Gymnagialbildung, erschlafft den Geist der Jugend 
und zerstört die Lust zum Lernen; daher gollten außer Religion, Lateinisch, 
Griechisch, Mathematik und Geschichte (letztere in Verbindung mit politischer 
Geographie), Physik nebst physikalischer Geographie (in zwei wöchentlichen 
Lehrstunden in den beiden obersten Klagssen), endlich deutschen Ausarbeitungen 
(wöchentlich eine Stunde), keine weiteren Lehrgegenstände im Gymnasium 
zugelasgen werden. 
9, Alle diese Fächer sollten, 80weit als tunlich, immer aber die alten 
Sprachen und die Gegchichte in jeder Klasse einem Lehrer allein übertragen 
werden, wie dies als notwendig für die Einheit der Erziehung und des Unter- 
richts schon mehrfach anerkannt und mit Erfolg durchgeführt worden ist. 
Hierzu ist aber durchaus erforderlich 
3. eine beggere pädagogische Vorbildung der Lehrer, insbegondere durch 
pädagogische Seminare. 
4. Soll die Kraft der Schüler nicht überspannt, infolge davon erschlafft 
und zugleich der Charakterbildung nicht geschadet werden, 80 dürfen die 
wöchentlichen Unterrichtsstunden in keiner Klasse die Anzahl von 26 über- 
gteigen, es müsgen zwischen Je zwei aufeinanderfolgenden Lehrstunden Pausen 
von wenigstens 10 Minuten stattfinden, es darf in jeder der alten Sprachen 
nur ein Schriftsteller auf einmal gelegen werden; diesem ist täglich eine 
Stunde zu widmen und überhaupt der Lehrplan 80 zu ordnen, daß der bis- 
herigen Zersplitterung der Lehrfächer möglichst abgeholfen wird. -- 
Möglichste Konzentration und harmonische Gegamtbildung, das 
gind Gedanken, die haupteächlich aus der Schrift Waitzens uns entgegen- 
klingen. „Eine größere Konzentration des Unterrichts mit geringerer äußerer 
Ausdehnung desgelben müsgen zusammenwirken, um besgere Früchte zu er- 
zielen als die bisherigen.“ „Nicht Vielgeschäftigkeit sondern Konzentration 
führt gieherer zu dem Ziel, dem das Gymnagium nachstrebt, nämlich zu den 
rein und streng wisgenschaftlichen Studien der Univerität zu befähigen und 
die erforderlichen Grundlagen für die Berufsarten zu liefern, die ihrerseits 
zolche Studien vorausgetzen.“ „Wir müsgen den Unterricht wieder stärker 
konzentrieren auf wenige Gegenstände und ihn aus geeiner Zersplitterung 
wieder mehr gammeln.“ „Harmonie der Bildung bat ein Schüler, der zu 
den rein wisgenschaftlichen Studien befähigt entlassen werden soll, wenn er 
einergeifs die am Eingang zur Wissenschaft selbst erforderliche Regsamkeit, 
Energie und Gewandtheit des Geistes besitzt, um in geinem Gedankenkreise 
relativ selbständig fortarbeiten zu können, und wenn er andererzeits hinreichende 
Kenntnisse eich angeeignet bat, um in ebenfalls relativ selbständiger Weise 
gich 80wohl in die Wisgenschaften der mathematisch-physikalischen als auch 
in die der historisch-philologischen Gruppe hineinleben zu können.“ „Für
	        

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