Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
 
„Große Denker.“ 187 
gein der Autonomie und der Selbstherrlichkeit des Geistes, wie es in der 
Macht des Denkens und der moralischen Freibeit als der Gottheit verwandt 
Sich offenbart, 80 gewaltig zum Ausdruck gekommen.“ -- 
Der zweite Band ist also ganz den großen Denkerpersönlichkeiten der 
Neuzeit gewidmet. O. Baensch zeichnet in großen Zügen Spinozas aus- 
Schließlich auf den Kategorien der Substanzialität und Kausgalität aufgebaute 
Konstruktion des Weltgebäudes, die für die Freiheit des Willens und teleo- 
logische Betrachtungsweise keinen Raum läßt, aber in ihrer mystischen 
Krönung als konsequenter Pantheismus (Deus sive natura) auch dem Gefühle 
Befriedigung zu gewähren geeignet ist. -- Mit Leibniz wird der erste große 
deutsche Idealist vorgeführt. W. Kinkels Darzstellung erweist das weit- 
verzweigte Gedankensystem dieges großen Mannes als beherrscht von dem 
Gedanken der Harmonie und als Nährboden einer auf Vertrauen zur Ver- 
nunft und auf Freude am Menschen beruhenden Humanität, wie sie nachher 
in ungeren führenden Geistern, Kant, Lesgsing, Schiller, Herder, ausgereift 
ist. -- Den bisher genannten kontinentalen idealistisgchen Philosophen stellt 
der Herausgeber E. von Agter in Locke und Hume die Hauptvertreter 
der englichen Erfahrungsphilosophie gegenüber, von denen jener der erste 
Analytiker des Bewußtseinslebens gewesen, dieser durch Verbindung psycho- 
logischer Analyse mit bistorischer Betrachtung der Begründer der Geschichts- 
philosophie geworden ist. -- Wir nähern uns der Blütezeit des deutschen 
Idealismus. Das Ende des 18. Jahrhunderts, das Humanitätszeitalter, „bietet 
das seltene Schauspiel, wie ein vom Vergstande erarbeitetes Ideal vom Ge- 
fühle ergriffen wird und wie dieges zich dann gegen geinen eigenen Ursprung 
wendet. Die mengchliche Natur, durch die Vernunft auf eine höchste For- 
mel gebracht, wehrte sich gegen diese eingeitige Festlegung ihrer Kräfte“. 
Als Sohn dieses von wunderlich gemischten Kräften bebherrschten Zeitalters 
wird Kant von P. Menzer erfaßt und gewürdigt. Sein Leben und zgeine 
Persönlichkeit, das kosmogonische Weltbild, die Erkenntnistheorie als Angel- 
punkt geines ganzen Systems, die Ethik und Religionsphilosophie und end- 
lich die Ästhetik und Teleologie des großen Königsberger Denkers können 
nicht leicht anschaulicher vorgeführt werden, als es hier in plastischer 
Knappheit geschehen ist. -- Auch Fichtes Idealismus, der auf den Grund- 
ton „das Objekt des Mengchen ist immer der Mensch“ gestimmt ist und in 
einer tatenfrohen Ethik der Gemeinschaft gipfelt, : findet in dem geistvollen 
Essay von F. Medikus eine bei aller Kürze lebensvolle Darstellung. -- 
Bewunderung verdient die gich aller Abschweifungen enthaltende Sachlich- 
keit und Treffsicherheit der Gedankenformulierung, wit der H. Falken- 
heim den Kerngehalt der Hegelschen Philosophie in engem Anschluß an 
die ursprüngliche Fassung ihrer Grundgedanken auf wenige Bogen zusammen- 
gedrängt hat. Der Panlogismus dieses Systems, gseine Triplizität von Idee, 
Natur, Geist und geine absolute Univergalität iet kaum anderswo mit so 
Plastiecher, man möchte gagen: epigrammatischer Schärfe erfaßt worden.
	        

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