Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
9929 Dritte Tagung der „Gesellschaft für Hochschulpädagogik“ zu Leipzig 1912. 
letzten großen Zusammenhänge binzuweisen. Dadurch wird Ermüdung ver- 
mieden ünd etwas wohltuend Künstlerisches hineingebracht. Die literar- 
geschichtliche Methode hat gich im Laufe eines Jahrhunderts mehrfach ge- 
wandelt. Die Methode von Gervinus, die vom literarischen Interesse ab- 
gelenkt hatte, wurde durch eine rein literarische gehemmt. Von der modernen 
naturwisgenschaftlichen Schulung her kam in unger Gebiet ein Streben nach 
Exaktheit. Für W. Scherer gollte nur exakt Nachweisbares wisgenschaftlich 
Sein. Aber Seine auf Text- und Stoffgeschichte beschränkte Methode vergagt, 
wo die Erfasgung des Persönlichen beginnt, So ist unsgere literarische 
Wigsgenschaft von der Nation zurückgewiesen worden. Durch Erich Schmidt 
kamen allmählich auch wieder ästhetische Elemente zur Geltung, auch brachte 
die Phonetik neues Leben. Heute leidet der Betrieb weniger unter den 
Schülern als unter den Lehrern, die nicht mit der Zeit mitgegangen aind; 
wir brauchen eine neue Lehrergeneration. 
Im Progeminar gind von gämtlichen Teilnehmern schriftliche Arbeiten ein- 
zufordern, die dann besprochen werden. An der Hauptgache, der Textinter- 
pretation, Sollen möglichst viele teilnehmen. Die künftige, eigentlich wisgen- 
Schaftliche Tätigkeit soll jedoch der Dozent bereits als eine Art Vision auf- 
leuchten lassen. Die Arbeitsthemata mögen im Zusammenhang mit dem 
interpretierten Text stehen. -- Dem Seminar verbleibt die Übung in der 
gegamten wisgenschaftlichen Methode. 
Ein Hauptschaden der Seminare gind die Einzelvorträge. Statt ihrer gsollte 
ein großes wissenschaftliches Thema allen gegeben werden. 
In der Diskussgion wurde von dem Vorgitzenden betont, daß man beute 
Schneller veraltet als früher, und daß aus der jungen Generation begonders 
Psychologisches entgegentönt. --- Profesgor R. Lehmann-Pogen gah das 
zentrale Problem der Universitätspädagogik in der Frage, wie weit Forscher, 
und wie weit Gymnagiallehrer auszubilden geien. In der Literaturgeschichte 
igt Schon durch Scherer zur Erforschung der Text- und Stoffgeschichte 
als drittes die der Entstehung eines Werkes im Dichtergeist hinzugefügt 
worden ; als viertes ist die spezifisch ästhetische Interpretation erforderlich, 
also eine wisgenschaftliche Kunstforschung. Neben der extrem Schererschen 
Methode haben wir die andere, die das Vorliegende objektiv betrachtet, los- 
gelöst vom Historischen. 
Scharf wendete sich sowohl gegen das Überlieferte wie gegen das Vor- 
gebrachte Professor Max Förgster-Leipzig. Die literarhistorische Methode 
Sel psychologisch, kulturhistorisch, philosophisch und etwa noch literatur- 
vergleichend zu ergänzen. Der einzige Dozent von heute, der nicht einszeitig 
literarhistorisch vorgehe, ei in Deutschland O. Walzel; weit überlegen darin 
geien uns die Franzogen. Im Seminar müßten wir die Studenten zu ver- 
Schiedenen Arten von Reproduktion und Produktion anleiten. Anfänger- 
übungen gehörten noch vor das Progeminar, eigentliche Disgertationsvor- 
bereitungen nicht ins Seminar. Das einzig Richtige sei das, was der
	        

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