Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
Der Ablativyus absolutus. 295 
aind Glaubengartikel. Was man für eine Philosophie bat, das hängt von den 
eingeborenen Anlagen ab, sagt irgendwo Fichte. Wer durch eine bisherige 
Arbeit gewöhnt ist, in allen Dingen auch das Künstlerische, das in ihnen 
Steckt, wahrzunehmen, wird schließlich dieses Moment sogar auf ein schein- 
bar 80 trockenes Gebiet wie die Grammatik zu übertragen verguchen. 
Doch ich bin überzeugt, hier vielen Mitstrebenden das Wort zu reden. Aber 
auch ganz abgesehen davon, glaube ich, daß mein Vorstoß gegen den 
Sogenannten Ablativus absolutus der Sache der Grammatik zum Vor- 
teil gereichen wird. Meine Forderungen zind also in kurzer Zusammen- 
fassung folgende: 
1. Der Name Ablativus absolutus wird überhaupt im Unter- 
richte nicht mehr erwähnt. 
9. Die besonderen, durch ein Partizipium ausgezeichneten 
Formen der Abll. instrum., causa2e, modi gind von den ergsten 
grammatischen Studien an besonderer Betrachtung zu empfehlen 
und als Erweiterungen der einfachen Kagsus klar zu machen. 
3. Die Funktionen dieser drei Kagus gind bei der Übertragung 
ins Deutsche wohl zu berücksgichtigen. 
Doch ist vielleicht der Quintaner, der gich nach den Lehrplänen bereits 
mit dieger Materie zu beschäftigen hätte, zu diegen Übungen noch ein wenig 
jung. Aber auch den gogenannten Ablativus absolutus wird er zu geiner 
Entwicklung als fruchtbares Element nicht benützen können. So werde ich 
auch durch diese Frage in meiner Überzeugung bestärkt, daß die Sexta 
mindestens vom Lateinischen noch ganz frei zu bleiben hat und daß der 
lateinische Anfangsunterricht weiter hinaufgesetzt werden muß. Bei rechter 
Vereinfachung, reiner Herausarbeitung der großen Gesichtspunkte von vorn- 
herein wird auch das geforderte Endziel keine Einbuße erleiden. Doch auch 
das heutige Endziel wird ja im Laufe der Jahre geändert werden: es wird 
in der Abschlußprüfung die Übergetzung aus der Fremdsprache ins Deutsche 
gefordert werden. Die Entwicklung in der Welt drängt ja in allen Dingen 
doch schließlich auf das Natürliche hin. Freilich ist zu einer wirklichen 
Leistung, die jahrelange Arbeit nach allen Seiten bin rechtfertigt, gründ- 
lichste grammatische Durchbildung und ständiges Üben auch im gechriftlichen 
Gebrauch eine unerläßliche Vorbedingung. Eine Übertragung alsdann in 
jenem Sinn, welche einen lateinischen Text in wirkliches Deutsch umzu- 
gießen vermag, ohne auch nur ein Stückchen der logisch aufgebauten Form 
des Originals preiszugeben, stehe ich nicht an, als weit höhere Leistung als 
das Extemporale anzuschlagen. 
Was ich im vorstehenden ausgeführt habe, das habe ich gelber auch 
praktisch erprobt. Av den Berliner Realgymnasialkurgen für Frauen (ge- 
gründet von Helene Lange, jetzt geleitet von Martha Strinz), habe ich letzt- 
hin eine Generation von den ersten Übungen im Deklinieren an bis zum
	        

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