Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

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362 Beobachtungen u. Erfahrungen eines Schulmannes in den Vereinigten Staaten v. Amerika, 
Eltern auf Wunsch ibrer Kinder, die auf der Mittelstufe kein „ old fashioned 
Dutch“) mehr lernen wollen, diese nicht teilnehmen lasgen, während manche 
Englisch-Amerikaner und Ausländer aller Art gich beteiligen. Für die ge- 
ringe Beteiligung Sucht der übrigens ganz überflüsgige „Superintendent“ des 
Deutschen, der um das Fortbestehen seines bequemen, einträglichen Amts 
Sorge trägt, den Lehrer -- geltener die Lehrerin -- verantwortlich zu machen. 
Dieger 8011 es nämlich verstehen, durch „interessanten Unterricht und liebens- 
würdiges Wegen“ möglichst viele Schüler fürs Deutsche zu gewinnen, und 
manche von ihnen, nicht die schlechtesten, glauben dem Lehrer einen beson- 
deren Gefallen zu tun, wenn Sie Deutscb lernen. 
Natürlich wird der deutsche Lehrer, besonders wenn er als Solcher einge- 
wandert ist, von einen „Anglogaxen“ Kollegen nicht für voll, Sondern als 
lästiger Eindringling angeseben, der mit geinem „nasty Dutch“ den schönen 
englischen Unterricht nur stört. Diese Geringschätzung überträgt Sich nicht 
gelten auch auf ungezogene Schüler, die ihn 80gar auf der Straße belästigen, 
indem gie ihm ein höhnisches „Dutchy“ zurufen und nachträglich dreist und 
frech behaupten, sie hätten den Lehrer nicht gemeint, ja nicht einmal ge- 
gehen. =-- Wen die ewigen Götter im unversöhnlichen Zorn aufs härteste 
- bestrafen wollen, den verbannen gie als deutgeben Lehrer in die amerikani- 
gche Volksschule. 
Was unter diesen Umständen im deutschen Unterricht geleistet werden 
mag, kann man gich unschwer vorstellen. Erstlich wird er mißachtet, 
zweitens können die Lehrer mit gehr wenigen Ausnahmen gelbst kein 
Deutsch, und drittens wird er nach einer Unmethode gegeben, bei der er- 
wüngechte Erfolge unmöglich zu erreichen zind. Bei englisch-amerikanischer 
Landessprache und vielsprachigen Schülern in einer und dergelben Klasse 
zoll das Deutscbe nach dem Willen der Superintendents als Muttersprache 
gelehrt werden. Desbalb soll der Lehrer in der Stunde ausschließlich 
deutsch sprechen, wovon nur einige Kinder halbwegs etwas verstehen, und 
ja kein erklärendes oder gar übergetzendes Wort hinzufügen. Das ließe sich 
mittels der ogen. direkten Methode am Ende noch machen, wenn die zu 
ihr gehörigen, nötigen Lehrbücher vorhanden wären. Statt dieger aber 
müggen die von den unfähigen Vorstehern und Leuten ähnlichen Kalibers 
ungeschickt zusammengestoppelten deutsch - amerikanischen Legebücher be- 
nutzt werden, die von sprachlichen Ungehörigkeiten förmlich wimmeln, gar 
keine methodisch - grammatischen Übungs-, noch viel weniger Übersetzungs- 
stücke enthalten und mit einem kleinen unbrauchbaren grammatischen An- 
hang vergehen zind, der mit den -- g0weit gie nicht abgeschrieben sind -- 
elenden Legestücken in keinem Zugammenhang steht. Die Schriftlichen 
Arbeiten beschränken gich auf Diktate; am Ifebsten aber wird ganz dar- 
1) Der gewöhnliche Amerikaner verwechselt hartnäckig englisches „Dutch“ (bolländisch) 
mit „Deutsch“ „Dutchman“ und die Diminutivform „Dutchy“ eind verächliche Spitznamen 
für einen Deutschen.
	        

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