Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
380 Volksentartung und Schule in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. 
nix.“ Ich muß bekennen, daß ich mich in diesem Augenblicke schämte, 
ein Deutscher zu sein. Über die Lehrerinnen des Französischen könnte ich 
hnliche Fakta berichten. Hoffentlich ist auch für den Westen der Tag 
nicht mehr fern, der eine Prüfung für Lehrerinnen der modernen Sprachen 
vor ihrer Anstellung obligatorisch macht. 
Daß infolge des Vorherrschens des weiblichen Elements in den Schulen 
notwendigerweise eine Verweiblichung des ganzen Volkes eintreten muß -- 
Hall spricht Sogar mit vollem Recht von einer „Überfeminisierung“ (over- 
feminization) -- unterliegt keinem Zweifel, zumal die Zahl der Lehrerinnen 
in beständigem Wachsen ist. Ein Rückblick igt in dieser Beziehung lehr- 
reich!) So waren im Jahre 1870: 590/, der Lehrkräfte Frauen; 1880: 
57,29/,; 1890: 65,5 %/,; 1900: 70,1%; 1910: 78,6%,. Auch in den Städten 
ind die Lehrerinnen in der Überzahl. New York City hat deren 89*/; 
Philadelphia 91,4% ,; Chicago 93,3 0/,; Omaba 97/7; Wheeling, West Vir- 
ginia: 97,5%,; Charleston, South Carolina: 99,30/, und in 46 Städten von 
4000---8000 Einwohnern sind überhaupt nur Lehrerinnen tätig. In den High 
Schools des ganzes Landes ind 54/, Frauen und in den öffentlichen Schulen 
650/, Frauen als Lehrerinnen tätig. Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges 
(1863-1865) lagen die Verhältnissge umgekehrt; Männer bildeten damals 
das Hauptkontingent der Lehrkräfte, mußten aber durch Frauen ergetzt Wer- 
den, als gie zu den Fahnen gerufen wurden. Seit dieger Zeit hat eich das 
Übergewicht der Frauen über die Männer bis in die Gegenwart erhalten 
und gesteigert. 
Welche Wirkung bat nun diese mangelhafte, feminisierte Jugenderziehung 
auf das gesamte Volks- und Staatsleben? Die Antwort darauf lautet, daß 
gie eine geradezu verhängnisvolle 1st und die gesamte Nation dem in- 
tellektuellen Bankerott entgegenführt, 80 daß man mit voller Berechtigung 
heute chon von einer bis in die tiefsten Kreise reichenden Degeneration zu 
sprechen berechtigt iet. Zum Beweis des Gegagten greife ich Beispiele aus 
einigen Berufen heraus, nämlich aus dem Advokaten- und Ärztestand und 
aus dem Leben des amerikanischen Arbeiters. 
1) Ich entnehme diese Statistischen Daten einem Aufsatz von Earl Barnes: „Dhe Femint- 
zing of Qulture“ in der angesehenen Monateschrift The Atlantic Monthly (Juni 1912). -- 
Auch die folgenden Aufsätze in der genannten Zeitschrift geien besonderer Beachtung emp- 
fohlen: A change of educational emphagis von E. A. Birge (Februar 1909); Plain facts about 
publie 8chools von S. P. Orth (März 1909); Medical education in America von A. Flexner 
(Juni 1910); An educational emergeney von E. O. Sisson (Juli 1910); The ladies battle von 
Molly E. Seawell (September 1910). 'Dieger Aufsafz verdient um 80 mehr Beachtung, als er, 
von einer Dame geschrieben, die in Colorado herrschenden, aller Beschreibung spot- 
tenden korrupten Zustände rückhaltlos aufdeckt und hierbei dem Frauenstimmrecht die größte 
Schuld für dieses Zustände zuschreibt. Das Frauenstimmrecht bezeichnet Seawell als „an 
unmized evil“. Den deutschen Frauenrechtlerinnen möchte ich die Lektüre als 
Kaltwasgerkur bestens empfehlen. -- Education and the nation von H. S. Pritchett 
(April 1912).
	        

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