Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
389 Volksentartung und Schule in den Vereinigten Staaten yon Nordamerika. 
race extinetion nennen muß, Einzelheiten zu geben: jeder Leser amerika- 
nischer Zeitungen, jeder, der mit wirklichen, ernsten Ärzten gesprochen hat, 
wird meine Andeutungen bestätigen; jeder kann gich auch die mit diesem Trei- 
ben verbundenen traurigen Folgezustände ausmalen. 
Wenden wir uns dem Arbeiterstand zu! 
Der Amerikaner liebt es bei jeder Gelegenheit mit Stolz zu betonen: Wir 
können es mit der ganzen Welt aufnehmen; denn was wir machen, kann uns 
niemand nachmachen.“ Sehen wir etwas genauer zu, in welchem Sinne dieses 
„Wir“ zu vergtehen ist! Abgesehen von der bekannten Tatsache, daß in 
den Vereinigten Staaten die Frauen in allen nur denkbaren Stellen zu ünden 
ind, weil sie den Mann aus allen Berufen nahezu verdrängt haben, vom 
Lokomotivführer und Nachtwächter bis zum Postmeister und Stationsvorsteher, 
vom Verkäufer bis zum Bureauvorstand., ist durch dieses Vordrängen des 
weiblichen Elements auf allen Gebieten männlicher Erwerbstätigkeit ein un- 
ausbleiblicher Rückgang der männlichen, eingeborenen Arbeits- 
kraft in fühlbarer Weise allerorten eingetreten und gsind die männiichen 
Arbeitskräfte heute nahezu sämtlich -- Ausländer. Ich entnehme einem 
kurzen Aufgatz von W. J. Lauck, einem Statistiker und Mitherausgeber von 
Prof. Jenks (Cornell University) Werk: „The immigration problem“, über das 
Thema: „The vanishing American wage-earner“ (Atlantic Monthly, November 
1912) die folgenden Daten: Ungefähr ein Zehntel aller amerikanischen Lohn- 
arbeiter ind die direkten Nachkommen eingewanderter Engländer, Irländer, 
Deutschen, Norweger und Schweden; über drei Fünftel der großen Masse 
der Fabrikarbeiter kommen aus dem güdlichen oder östlichen Europa. Es 
gibt kaum irgendeine Stadt von Bedeutung östlich vom Mississippi und nörd- 
lich vom Ohio und Potomac, die nicht eine Kolonie von eingewanderten 
Italienern, Ungarn und Slaven hätte. Diegelben Verhältnisse bestehen in den 
Bergwerksstaaten des Westens, Colorado, Idaho, Montana und Kalifornien. 
An der pazifiechen Küste kommt noch das große Kontingent eingewanderter 
Chinegen, Japaner und Hindu hinzu. Nur ein Viertel der FEisen- und Stahbl- 
arbeiter gind eingeborene Amerikaner und nur ein Achtel davon die direkten 
Nachkommen der älteren Einwanderer, die ihre Sohulung 'in den Kigen- und 
Stahlwerken Großbritanniens und Deutschlands empfingen. Drei Fünftel der 
Arbeiter in den Hochöfen gind Ausländer. In den Baumwollspinnereien 
New Englands bilden eingeborene Amerikaner kaum ein Zehntel der Arbeiter, 
während gich die übrigen neun Zehntel aus Polen, Griechen, Italienern, 
Litauern, Portugiegen rekrutieren. In der Seiden- und Teppichindustrie, in 
der Hemden- und Strumpfwarenfabrikation Sind Nord- und Süditaliener, Ungarn 
und Polen fast ausschließlich beschäftigt neben zahlreichen Kanadiern. Wie 
Steht es nun mit den Lohn- und Lebensverhältnisgen dieger Arbeiter? Es 
dürfte wohl auch zur Kenntnis der deutschen Presse gekommen sein, welch 
grauenhafte Zustände der vor einigen Monaten in den Baumwollspinnereien 
von Lawrence, Mass., ausgebrochene Streik der Arbeiter an die Öffentlich-
	        

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