Full text: Pädagogisches Archiv - 55.1913 (55)

 
388 Rundschau. 
autklärende Arbeit verrichten und einer Gefährdung der Gleichberechtigung und 
Gleichwertigkeit der drei Gattungen der höheren Schulen entgegentreten. 
Die neugegründete Vereinigung bielt am 25. April ihre erste öffentliche Versamm- 
lung ab. In ihrem Mittelpunkt stand der Vortrag von Prof. Dr. Immigsch von der 
Univergität Gießen über „die Bedeutung des Gymnasiums für die Gegen- 
wart“ Er Sprach zunächst die drei Leitworte aus, durch welche die Haltung der 
Freunde des humanistischen Gymnagiums bestimmt wird: Anerkennung des 
gleichen Rechts der drei höheren Schulen, Gegenwartssinn und Freiheit 
von rückwärtsgewandter Romantik, Einklang der humanistischen und 
der deutschvaterländischen Bildung. In den weiteren Ausführungen“ ermahnte 
er die Freunde des humanistischen Bildungszieles, öfters zu zeigen, wie Vieles 
und wie Schönes der Bildungswert umfasse, den das Gymnasium pflege. Sie 
müßten die großen Alten für Sich gelber reden lassen. An treffenden Proben zeigte 
der Vortragende darauf, wie Sich eine Verknüpfung von Altertum und Gegenwart auf 
der Schule herbeiführen und an der Erkenntnis des Alten das Verständnis des Neuen 
heranbilden lasse. Der Hauptwert des Gymnasiums beruhe darauf, 80 Klang der Vor- 
trag aus, daß es tief hinab zu den Wurzeln unserer Kultur führe und aus den 
Quellen Selber Schöpfen lasse. 
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Starke Überfüllung im Oberlehrerberuf. Eine von den Oberlehrern Oberle 
und Dr. Ed. Simon verfaßte Zusammenstellung aller für Angebot und Nachfrage in 
der Oberlehrerlaufbahn in Betracht kommenden Zahlen in Kunzes Kalender I. Teil 
zeigt, daß für die Zeit vom 1. Mai 1912 bis 1. Mai 1920 im Bereich des gesamten 
höheren Schulwegens in Preußen einem Angebot von fast 12000 nur ein Bedarf von 
annähernd 6200 gegenübersteht. 
Es werden also diejenigen Abiturienten, die jetzt das Studium der Schulwissen- 
Schaften beginnen und in normalem Studiengang nach 8 Jahren anstellungsfähig 
werden (etwa 6 Jahre Studium und 2 Jahre Probezeit), nach Abgolvierung des Probe- 
jahres durchschnittlich noch 7 Jahre auf Anstellung warten müssen, da Sie im Jahre 
1920 fast 6000 Vordermänner haben, während nur etwa 775 Anstellung finden 
können. Für Altpbilologen, Germanisten und Historiker, besonders katholische, wird 
die Wartezeit noch wesentlich größer werden. | 
Daher müssen diejenigen Abiturienten, denen Keine ausreichenden 
Mittel zum Unterhalt für die lange Vorbereitungs- und Wartezeit zu 
Gebote stehen, und Solche, die keine ausgesprochene Begabung und 
Neigung zum Oberlehrerberufe haben (denn in Zeiten der Überfüllung findet 
eine Strenge Auslese Statt), dringend vor dem Studium der Schulwissen- 
Schaften gewarnt werden. - 
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Die Marburger Ferienkurse finden dieses Jahr vom 9. bis 30. Juli und vom 
6. bis 27. August statt. Die in deutscher, franzöSiSscher und englischer Sprache 
dargebotenen Vorlesungen und Übungen haben vor allem den Zweck, Studierenden 
aller Nationen Gelegenheit zur Erneuerung und Vervollkommnung ihrer Kenntnisse 
in Sprache, Literatur und Kultur zu gewähren, Sowie deutschen und ausländischen 
Teilnehmern die Gelegenheit zu gegenseitigen Verkehr und gegenseitiger Förderung 
zu bieten. Das Programm für die beiden Kurse wurde Soeben ausgegeben. Alle 
Anfragen Sind nur zu richten an: Ferienkurse, Deutschhausstraße 341. 

	        

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